Das Schönste in Woody Allens neuem Film Wonder Wheel sind die Farben. Der Kameramann Vittorio Storaro, der schon Apocalypse Now gedreht hat, wechselt vom kalten Blau ins sinnliche Rot oder fahle Grün, und im Antlitz von Kate Winslet spielt die schlechte Laune auf einmal hinüber ins Wollüstige oder bitter Enttäuschte. Dass das Licht rasch wechselt, hat nicht allein mit den Stimmungsumschwüngen zu tun, sondern auch damit, dass wir uns im Coney Island der fünfziger Jahre befinden, wo sich ein wunderbares Riesenrad dreht, eben das Wonder Wheel, und wo abends die Glühbirnen in allen Farben flackern und tagsüber der Sommerhimmel über dem Meer tiefblau sein kann oder grau vom Regen.

Wer nicht wie Woody Allen das Glück hatte, den berühmten New Yorker Badestrand samt Lunapark auf dem Höhepunkt seiner Geschichte zu erleben, wer nur die traurigen Reste kennt, der findet in diesem Film eine vermutlich perfekte Rekonstruktion. Die Badeanzüge sehen aus wie in einem Museumskatalog und die Menschen, die darin stecken, wie Replikate einer längst vergangenen Epoche.

Worum geht es? Um die Wirrnisse, Streitigkeiten und Liebesaffären einer Handvoll Kleinbürger: allen voran der cholerische Karussellbesitzer Humpty (Jim Belushi), seine weidlich hübsche und weidlich dumme Tochter Carolina (Juno Temple) sowie seine Gattin, die nicht mehr junge Kellnerin Ginny (Kate Winslet), die davon träumt, als Schauspielerin berühmt zu werden, einstweilen jedoch Kellnerin ist und auf die amourösen Sprüche des Rettungsschwimmers Mickey (Justin Timberlake) hereinfällt.

Der lifeguard, den man sich am besten, um sein geistiges Format zu begreifen, als Bademeister vorzustellen hat, ist ein selten einfältiger Gigolo, und es gehört zu den schweren Handicaps des Films, dass ausgerechnet dieses Leichtgewicht große Teile der Geschichte erzählt. Wer so uninteressant ist, sollte besser stillschweigen.

Es kommt hinzu, dass die familiären Konflikte, die hier nicht referiert werden müssen, schon von Beginn an einen Hitzegrad erreichen, der sich auf sehr konventionelle Weise Ausdruck verschafft: Da werden die Fäuste geballt und die Augen gerollt, da fliegen Flüche und Teller durch die Luft. Kurz: Es ist die Kleinbürgerhölle, die durch die exquisite Farbgebung kaum erträglicher wird. Wenn Ginny und Humpty einander anschreien oder wenn Carolina und Mickey miteinander turteln, dann wirkt es immer so, als stünden sie an der Rampe und gäben sich Mühe, so zu artikulieren und zu gestikulieren, dass auch der Theaterbesucher in der letzten Reihe nichts versäumt.

Woody Allen hat das Hollywood-Gesetz, eine Frau, die tagsüber an der Theke arbeite, gehe nicht abends ins Kino, um eine Frau zu sehen, die an der Theke arbeitet, oftmals mit Bravour und Humor übertreten. Daran fehlt es in dieser Schmonzette.