Was ist eigentlich ein Drecksloch? Donald Trump zufolge scheinen das Länder wie Haiti, El Salvador oder die afrikanischen Staaten zu sein. Bei einem Treffen mit Senatoren vergangene Woche soll er Augenzeugen zufolge gesagt haben, er verstehe nicht, warum sein Land so viele Leute aus diesen "shithole countries" aufnehmen müsse. Der Präsident dementierte später, die Aussage gemacht zu haben.

Es ist nicht überliefert, ob Friedrich Trump, Donald Trumps Großvater, sein Geburtsland Deutschland jemals als "Drecksloch" bezeichnet hat, jedenfalls wanderte er 1885 in die Vereinigten Staaten aus. In seiner Heimat sah er offensichtlich keine Zukunft, zudem wollte er dem Militärdienst entgehen. Friedrich Trump hatte damit recht ähnliche Beweggründe wie die jungen Eritreer, die es heute nach Europa und in die USA zieht. Er war ein globalisierter Mensch. Das ist auch sein Enkel. Donald Trump baut Hotels, Resorts und Bürokomplexe in Indien, Indonesien, Aserbaidschan, Brasilien oder auf den Philippinen.

Er führt ein Land an, das noch immer den Anspruch erhebt, die einzige Weltmacht zu sein, auch wenn Trump internationale Verpflichtungen und Freihandelsabkommen aufkündigt und damit den Aufstieg Chinas ermöglicht. Die Vereinigten Staaten haben die Globalisierung auf allen Ebenen vorangetrieben, ja, sie entschieden geformt. Sie bilden Institutionen, treiben militärische Interventionen voran, entscheiden, wer Verbündeter und wer Schurkenstaat ist. Sie haben ein System geschaffen, und natürlich ist es keines, das ihnen zum Nachteil gereicht.

Die amerikanische Umarmung der Welt ist von jenen Überzeugungen geprägt, die sich in Europa im 19. Jahrhundert herausbildeten und die der Historiker Jürgen Osterhammel in der Verwandlung der Welt beschreibt: der Globalisierung zivilisatorischer Normen. "Sie baute auf dem optimistischen Gedanken des Fortschritts und der zunehmenden Annäherung zwischen den Kulturen der Welt auf." Menschen sollen nicht nur Waren teilen, sondern auch Träume und Werte. Und nie war die Globalisierung so weit fortgeschritten wie heute, wo der Markt fast alle Winkel der Welt durchdringt.

Die Globalisierung hat wunderbare Seiten. Wer nach Peking will, muss nicht über die Seidenstraße holpern, selbst mitten in der Sahara findet man noch Aspirin, und an manchen Orten der kenianischen Savanne ist das Mobilfunknetz auch nicht schlechter als in Holzkirchen.

Der Austausch von Geld, Waren, Technologie und Menschen war angenehm, solange vor allem wir reisen konnten, eine Mittelschicht, die global gesehen eine Oberschicht ist. Solange junge Backpacker ihren Urlaub in Laos verbringen und Rentner ihren Ruhestand an der Küste von Kenia.

Seit sich aber auch die Armen aus vormals abgeschiedenen Teilen der Welt in Scharen auf den Weg machen, ist jenen, die die Vorzüge der Globalisierung stets zu genießen wussten, unbehaglich geworden. Und die Armen sind unterwegs, weil genau das eingetreten ist, was sich internationale Konzerne auf der Suche nach neuen Märkten stets gewünscht hatten: Auch sie sind jetzt Konsumenten. Die Zahl der Mobilfunkverträge in Afrika ist auf eine Milliarde gewachsen. Viele Menschen besitzen also ein Gerät, mit dem sie mitbekommen, was anderswo so passiert. Und sie interessieren sich vor allem für den Westen – diese Konzentration ist nicht zuletzt auch Teil des kolonialen Erbes. Man kann einem senegalesischen Handyverkäufer begegnen, der bestens über den Stand der deutschen Koalitionsverhandlungen informiert ist, viel öfter trifft man noch im abgelegensten Dorf begeisterte Fans von Real Madrid oder Bayern München. Und die sagen: Wir wollen doch nur machen dürfen, was ihr auch macht. Wir wollen reisen. Warum dürft ihr das, und wir dürfen es nicht?