Sind bald alle Donald-Witze durch? Hat irgendjemand noch das Bedürfnis zu hören, der Typ sei zu alt, zu blöd, zu fett, zu blond, und überhaupt dieses lächerliche, übersprühte Toupet? Voilà: time’s up, wie man heute zu sagen pflegt. Gestern stolperten die Herzen, als Oprah Winfrey beim Golden Globe diese glitzernde Brandrede hielt. Eine Schwarze? Ins Weiße Haus! Wow. Und jetzt ist also dieser neue Typ in Washington aus der Kulisse gekommen. Großes Wow.

Der ganze Kerl eine ballistische Demo-Waffe: kugelrund und kahl. Der blanke Schädel ist ein untrügliches Zeichen für ein satisfaktionsfähiges Testosteronlevel. Ein Foto zeigt den Neuen an einer Fensterbrüstung lehnend. Seine wohltrainierte Linke ist so auf der Holzkante abgelegt, als überlege sie, das Brett mit einer scharfen Bewegungen hochzureißen. Nur mal so, um zu zeigen, was geht. Aufräumen, in Handwerkerqualität. Wo auch immer. Das Foto ist wohl an einem casual Friday aufgenommen, der Typ hat das Jackett abgelegt, und wir alle können sehen, wie Bizeps und Brustmuskulatur von unten her das "crispe" weiße Hemd zu prallen Wolken hochpushen. Das Bild hat in schwulen Kreisen wohl schon Karriere gemacht, als "swole Jeff Bezos", swole wie aufgeblasen und Jeff wie Jeff Bezos und Bezos wie der Chef von Amazon. Der reichste Mann der Welt.

Jeff Bezos hat sich gerade ein Haus in Washington zugelegt, strategisch platziert zwischen Ivanka Trump und den Obamas, wodurch ein Bermudadreieck entsteht, in dem Spekulationen herumwirbeln und untergehen, nur um erneut hochgespült zu werden. Etwa die, dass Jeff der richtige Kerl fürs Weiße Haus wäre.

Fitter Typ jedenfalls. Muskelaufbau wie Firmenaufbau – eins a. Halbe Million Angestellte, also global. Trägt ab und zu Cowboystiefelchen, wie süß er das Amerikanische konnotiert. Jeff hat sich neulich eine der besten Zeitungen Amerikas gegönnt, die Washington Post, und jetzt diese Immobilie, und dann die Pläne für ein neues Amazon, das er vom Buchlieferanten zu einer alle Lebensbereiche aufsaugenden Geldmaschine machte. Niemand weiß besser als Jeff, wer in der Welt welche Gummistiefel trägt und ob der Hund Zahnpasta mit Peppermint- oder Wurstgeschmack bevorzugt. Bezos hat sogar sein eigenes kleines Raketenprogramm.

Der Typ ist so gut am Start, dass Donald aus seiner senilen Bettflucht hochfahrend Hass in Richtung Bezos twittert, etwa – "Die @WashingtonPost verliert Geld und gibt @JeffBezos die Gelegenheit, die Öffentlichkeit über den Tisch zu ziehen durch niedrige Besteuerung @Amazon! Große Steueroase". Das gab Bezos Gelegenheit für einen coolen Return: "Endlich von @realDonaldTrump in die Tonne getreten. Werden ihm einen Sitz in unserer Rakete Blue Origin reservieren #sendDonaldtospace".

Punkt an Bezos. Der gleich noch mal ein paar Hundert Millionen nachschob, als Spende für die Bildung der Kinder illegaler Migranten, die Mr. Trump aus dem Land scheuchen möchte.

Fragen drängen sich auf. Der Typ die perfekte Inkarnation des siegreichen Kapitalisten – käme es nun auch zur Perfektion von Synergie-Effekten? Könnte Amerika womöglich eine ganze army einsparen, wo doch Amazon schon eine eigene Drohnen-Flotte hat (angeblich zur Auslieferung von Paketen)? Und wozu noch eine CIA, wenn einer wie Bezos sowieso alles weiß? Und im Umgang mit Angestellten – voilà, die hart trainierte Hand!

Donald ist in Panik. Albträume, hört man. Er sehe Putin mit Bezos in Endlosschleife barbusig auf Wildpferden durch die Pampa reiten. Wo doch er, Trump, der Putin-Buddy ist! Verweis auf CIA-Ermittlungen! Tja. Wie gesagt, noch mehr Trump, womöglich barbusig? No no.