Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Seit mein Umfeld Kinder bekommen hat, ist auf einmal interessant, dass ich Theologin bin. Was früher eher skurril war ("Warum studierst du das?"), ist jetzt nützlich geworden. Der Sohn einer Freundin bereitet sich gerade auf die Erstkommunion vor. Nein, genauer – er wird vorbereitet. Wie so häufig hat sich ein Kreis ehrenamtlicher Mütter zusammengeschlossen, die es alle sehr gut meinen und sehr engagiert sind. Hingebungsvoll werden Kerzen gebastelt, Bilder ausgeschnitten und ausgemalt. Anschließend aber kommt der Sohnemann mit vielen Fragezeichen nach Hause, auf die die Eltern keine Antwort haben – und dann bei mir anrufen und um Lektüreempfehlungen bitten.

Mich macht das stutzig, und es erinnert mich an eine schwierige Erfahrung in meinen Teenager-Jahren, als ich einmal bei den Firmvorbereitungen einer Gemeinde half. Die Firmkandidaten wurden damals in Gruppen aufgeteilt, die wiederum Leiter benötigten. Eine Schulfreundin und ich wurden angesprochen, ob wir – als frisch Gefirmte – nicht unterstützen könnten. Nach einer kurzen Einführung versuchten wir mithilfe eines Arbeitsheftes Gleichaltrige auf das Sakrament vorzubereiten.

Um ehrlich zu sein: Ich fühlte mich dabei eigentlich recht hilflos, von der altersbedingten Schwierigkeit, für Disziplin zu sorgen, ganz zu schweigen. Außerdem war ich mit den existenziellen Fragen meiner Alterskollegen überfordert – sie stellten sich mir auch noch, obwohl ich kurz zuvor gefirmt worden war. Wie ich antworten könnte, gab mir das Arbeitsheft zwar vor, doch statt etwas vorgelesen zu bekommen, suchten wir alle persönliche Überzeugung und Erfahrungen. Der eigentliche Höhepunkt dieser Abende blieb also das damals noch aufregende Bier und ein bisschen Vanilleeis. Im Rückblick frage ich mich, wie man diese entscheidenden Momente an theologisch nicht ausgebildete Ehrenamtliche vergeben kann. Sicher gibt es auch Gemeinden, wo diese Aufgaben von engagierten Pastoral- oder Gemeindereferenten übernommen werden, doch die Anrufe meiner Freunde aus verschiedensten Teilen der Republik zeigen mir, dass meine Erfahrung wohl kein Einzelfall war. Das ärgert mich, denn dass ausgerechnet diese Momente vernachlässigt werden, in denen ein Funke Glaubensbegeisterung und Glaubenswahrhaftigkeit überspringen kann, ist keine Lappalie. Mich macht es deshalb stutzig, wenn sich so manche Gemeinde hoher Zahlen bei Firmung und Erstkommunion rühmt, doch andererseits verdrängt, dass nur sehr wenige der Kinder und Jugendlichen auch danach den regelmäßigen Weg in die Kirche finden, wenn äußere Konventionen nicht mehr verpflichten.

Dabei gibt es heute doch auch unabhängig vom Personalschlüssel vor Ort digital so viele Möglichkeiten, begeisterte Glaubenszeugnisse sichtbar zu machen, die Antworten bieten. Warum nicht die Medien nutzen, in denen die Jugendlichen ohnehin jeden Tag unterwegs sind? Auch begleitende Lektüre oder Videos für Eltern zu empfehlen, fände ich sinnvoll – oder noch besser Glaubensgespräche vor Ort. Ist es die Angst vor dem verstaubten Image einer strengen Katechese, die das oft verhindert? Den Eltern auf der Suche nach Antworten hilft das jedenfalls nicht.