Dieser Film verdankt seinen Namen einem Panzerabwehrsystem. 2014 lieferte Deutschland 30 Milan-Lenkraketensysteme und 500 Sprengköpfe an die kurdischen Peschmerga im Nordirak, um ihren Kampf gegen den "Islamischen Staat" zu unterstützen. "Ohne die Milan-Systeme und ohne die US-amerikanischen Bombardements wäre der IS bis nach Erbil marschiert", sagt der Hamburger Filmemacher Peter Ott, der um die deutsche Waffenlieferung einen Politthriller gestrickt hat.

Die Hamburger Schauspielerin Catrin Striebeck spielt die deutsche Ärztin Martina, die vom Nordirak aus den Kampf der linken YPG in Syrien unterstützt, eines Ablegers der kurdischen PKK. Sie versorgt nicht nur verwundete Kämpfer, sondern hilft auch dabei, ein paar der begehrten Milan-Raketen für ihre kurdischen Genossen abzuzwacken. Das wiederum ruft den türkischen Geheimdienst auf den Plan, der die Ausbreitung der PKK bekämpft.

Richtig verzwickt wird es, als Martina eine verletzte deutsche Studentin aufsucht, die auf der Seite der YPG kämpft. Auf dem Rückweg in den Irak wird sie gekidnappt. Die Entführer sind Mitglieder eines sunnitischen Stammes, der mit den Terroristen gemeinsame Sache macht, die Entführung aber halten sie vor den IS-Kommandanten geheim. Und dann erklärt einer von Martinas Bewachern, er arbeite mit dem BND zusammen und wolle helfen.

Das Milan-Protokoll ist der erste deutsche Film, der in der Krisenregion spielt. Zehn Jahre dauerte die Realisierung. Noch kurz vor Drehbeginn sprangen Darsteller ab – aus Angst.

Die Handlung ist so kompliziert, wie der Vielfrontenkrieg im Grenzbereich zwischen Syrien, dem Irak und der Türkei nun mal ist. Gehirnjogging im Krisengebiet: Wer dranbleibt, erfährt einiges über den Konflikt, dessen Folgen die deutsche Gesellschaft seit mindestens drei Jahren beschäftigen und spalten. Das ist enorm spannend, auch weil in der Geschichte der linksaktivistischen deutschen Ärztin in der Islamistenregion sehr grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zwischen globalem Norden und Süden stecken: Geht das überhaupt, sich kämpfend auf die richtige Seite schlagen, wenn man die Angehörige einer globalen Wohlstandsnation ist?

Einmal erklärt eine Bewacherin der entführten Deutschen, sie würde ihr ja gerne das Leiden abnehmen, "aber mein Körper ist nicht so viel wert wie deiner". Im Chaos zwischen religiösen Konflikten, Stellvertreterkrieg und Kampf um Ressourcen ist der Körper der Deutschen eine sensationell harte Währung.

"Die Situation im Nordirak unterscheidet sich eigentlich nicht von der im Rest der Welt", sagt Regisseur Peter Ott. "Ältere Männer wollen ihre Privilegien behalten, und dieser Kampf wird über Ressourcen geführt." Zu zeigen, wie unentrinnbar komplex diese Kämpfe sind – darin liegt die Stärke dieses kleinen, exzellenten Agentenfilms.

"Das Milan-Protokoll". Ab 18. Januar im Studio-Kino