Als ich zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten kam, musste ich ein offizielles Formular ausfüllen, in dem ich den US-Behörden versicherte, dass ich nichts mit Nazideutschland oder seinen Verbündeten zu tun gehabt hatte. Das zu unterschreiben fiel mir nicht schwer. Zunächst einmal bin ich Jude. Und selbst wenn ich keiner wäre, gab es meine Wenigkeit während des Zweiten Weltkriegs noch gar nicht.

Jetzt aber, wo es mich gibt, fliege ich nach Australien. Auch die australischen Behörden wollen, dass ich ein offizielles Formular unterschreibe – nur dass sie sich nicht für Nazis interessieren. Die Australier interessieren sich für etwas viel Wichtigeres: Sie möchten sicherstellen, dass ich nicht mehr als 25 Zigaretten ins Land bringe.

Das ist mal wirklich etwas Neues. Von einer solchen Forderung habe ich noch nie gehört. 25 Zigaretten, soll das ein Witz sein? Wer sich in einem beliebigen westlichen Flughafen an die Kasse eines Duty-free-Shops stellt, sieht Raucher, die zwei, drei, fünf Stangen kaufen.

In Australien aber, so scheint’s, sind 26 Zigaretten gefährlicher als Adolf Hitler.

Normalerweise würde ich sagen: Soll mir recht sein, jede Gruppe von Menschen hat das Recht auf sonderbare Traditionen. Nur gibt es da ein kleines Problem. Wie so viele fliegende Raucher habe ich drei Stangen im Gepäck, macht 600 Zigaretten. Was soll ich tun? "600" hinschreiben und riskieren, dass ich in einem Gefängnis lande, in dem die Nazis einsitzen, oder lügen und hoffen, dass die australischen Beamten mir Glauben schenken und meine Koffer nicht durchsuchen?

Ich entscheide mich für die zweite Option. Wenn Nazis durchgehen, sollten es Raucher auch tun. Ist aber nicht ganz leicht, kann ich Ihnen sagen.

Nachdem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, lande ich am Ende einer Riesenschlange. So riesig, meine Lieben, dass sie mich an die biblische Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten erinnert. Wofür zum Teufel diese Schlange? Zollkontrolle, Freunde! Im Unterschied zu anderen westlichen Flughäfen, die ich kenne, ist es den Australiern ernst mit dem Zoll. Sie trauen den Leuten nicht und durchsuchen sie.

O Gott im Himmel! Was wird mit mir geschehen? Sollte ich vielleicht besser aus der Schlange treten und mein Verbrechen beichten, in der Hoffnung, dass die Australier gnädig mit mir sind? Die Schlange bewegt sich langsam voran, millimeterweise, aber irgendwann bin auch ich an der Reihe. Werden die Zollbeamten diesen jüdischen Lügner durchschauen? Ich weiß es nicht. Ich gehe an ihnen vorbei, ohne sie anzublicken, als wären sie Luft. Und wunderbarerweise sehen sie mich auch nicht und lassen mich durch.

Ich bin in Perth, falls es Sie interessiert, wo in Australien ich gelandet bin. Während ich durch die Straßen von Perth spaziere, einer prächtigen Stadt, sehe ich jede Menge Rauchverbotsschilder. Nur eine Gelegenheit, Zigaretten zu erwerben, kann ich merkwürdigerweise nirgends entdecken.

"Zigaretten dürfen nicht sichtbar sein", erklärt mir ein Mann, dessen Bekanntschaft ich mache, mit liebenswertem australischem Akzent. Man verbirgt sie in speziellen Geschäften, erklärt er mir, "und wenn man welche will, muss man nach ihnen fragen". Und er fügt hinzu: "In Australien sind Zigaretten ziemlich teuer. Eine Schachtel Zigaretten minderer Qualität kostet 25 Dollar, die besseren kosten viel mehr."

Das ist aber noch nicht alles. Die Zigarettenpackungen, diese verborgenen Versuchungen, sehen alle gleich aus, egal welche Marke, und sind mit wirklich üblen Bildern geschmückt. Warum das?, frage ich eine Dame, eine echte Aussie-Lady. "Großbritannien macht es genauso", antwortet sie mir.

Das leuchtet mir ein. Queen Elizabeth, diese reizende alte Britin, ist auch Australiens Königin, und wenn man sich schon eine Königin teilt, warum sollte man dann nicht auch Bilder auf Zigarettenpackungen teilen? Eines Tages aber wird die Queen Geschichte sein, weil Königinnen nicht ewig leben, und sie werden sich einen König teilen, Charles den Netten. Vor Jahren tat Charles seine Überzeugung kund, dass "fremde, europäische Juden", also Israelis, im Nahen Osten "dazu beitrugen, große Probleme zu verursachen", und bald wird er seine Weisheit auch den Australiern verkünden und ihnen beibringen, wie man Frauen behandelt, nicht nur Raucher.

Perth, Western Australia. Ein seltsamer Ort. Ich zünde mir einen meiner illegalen Glimmstängel an und gehe zur Black Swan State Theatre Company, um mir etwas australische Kultur zu Gemüte zu führen. Das Stück, das sie heute Abend spielen, heißt Let the Right One In, und obwohl ich keine Ahnung habe, worum es geht, bin ich ziemlich gespannt. Schluss mit den Zigaretten, jetzt gibt’s Kunst!