Ein Redakteur der FAZ hatte die hübsche Idee, eine Dame namens Friederike Sturm ausfindig zu machen. Die 85-Jährige lebt in Sonneberg in Thüringen. Sie sagt: "Also, wenn Sie mich fragen, wie ich dazu stehe: So böse wie der Orkan bin ich nicht." Im Gegenteil: Frau Sturm, das lässt sich aus dem Interview schließen, scheint eine ausgesprochen nette Person zu sein. Der altmodische Name Friederike geht auf Frau Sturms Großmutter zurück. Aber was heißt hier altmodisch? Der beliebteste deutsche weibliche Vorname war bislang Emma – so hießen vor zwei Generationen noch vorwiegend die Kühe – und soll jetzt, ersten Zählungen zufolge, Burglind sein. Burglind? Bis vor Kurzem konnte man glauben, dies sei der Name eines Kräutertees. Aber dann kam am 2. Januar das Tief Burglind, und seitdem sollen alle wilden Mädchen Burglind heißen – und jetzt noch lieber Friederike.

In diesem Jahr tragen die Tiefdruckgebiete weibliche Namen und die Hochdruckgebiete männliche. Im nächsten Jahr ist es umgekehrt. Die Namen werden vom Meteorologischen Institut der FU Berlin vergeben. Für eine Geldspende kann man Namenspate werden. Der Orkan Friederike zum Beispiel wurde von Frau Friederike Hesse gespendet. Sie konnte natürlich nicht wissen, was ihr Namensvetter anrichten würde. Womöglich hat sie die Ausgabe von 237 Euro (so viel kostet ein Tief) bereut, als sie in einem Schneesturm festsaß. Hochs sind teurer, weil sie seltener sind (356 Euro). Durchschnittlich gibt es 50 bis 60 pro Jahr, Tiefs hingegen zwei- bis dreimal so viele.

Man sollte sich eine solche Namenspatenschaft gut überlegen. Natürlich ist ein Hoch hübscher, weil es oft gutes Wetter bringt. Aber, und das ist entscheidend: Es prägt sich nicht ein. Erinnert sich jemand an das Hoch Adam vom 5. Januar? Es ist zu Recht vergessen. Unvergessen hingegen bleibt Friederike, und auch Burglind war nicht von schlechten Eltern.

Die Namen der nächsten Tiefs und Hochs stehen übrigens schon fest. Da wird uns Imke viel Regen, womöglich gar Schnee bringen, und Dino wird es vermutlich nicht wettmachen können. Auf das Tief Jira-Anifa dürfen wir gespannt sein, und ob der Countertenor Enric standhalten wird, muss man sehen. Heinrich Faust übrigens, seinerzeit Meteorologe im Dienst des weimarischen Ministers Goethe, hat von solchen Namensgebungen nichts gehalten: "Ich habe keinen Namen / Dafür! Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch, / Umnebelnd Himmelsglut." FINIS