Eine 31-jährige Hamburgerin will für ein paar Wochen in die USA reisen. Kurz nach ihrer Ankunft am Flughafen von Seattle landet sie im Gefängnis. Die US-Behörden halten sie für eine illegale Einwanderin. Hier erzählt die Frau, die anonym bleiben möchte, ihre Geschichte:

"Vielleicht werde ich nie wieder in die USA einreisen können. Schließlich wird jetzt irgendwo ein Vermerk stehen, dass ich angeblich versucht habe, illegal ins Land zu reisen. Aber das, was mir passiert ist, kann auch anderen passieren. Deswegen möchte ich meine Geschichte erzählen. Sie zeigt, was einem passieren kann, wenn man für längere Zeit in die USA reisen will, und wie dort heute mit Einwanderern umgegangen wird.

Im Dezember bin ich von Frankfurt nach Seattle geflogen, von dort wollte ich weiter nach Hawaii. Ich hatte in den Monaten davor sehr viel gearbeitet und wollte mich vor allem erholen. Über eine Website hatte ich für sechs Wochen einen Platz in einem Yoga-Zentrum auf der Insel Kona gefunden. Ich wusste nicht genau, was meine Aufgaben dort sein würden. Aber für 20 Stunden Arbeit pro Woche konnte ich dort kostenlos schlafen und essen. Für die Zeit danach hatte ich noch einen Job bei einem älteren Ehepaar angenommen. Ich sollte im Haushalt helfen, dafür dürfte ich bei ihnen gratis übernachten. Nach zwei Monaten wollte ich von Hawaii aus nach Neuseeland weiterreisen.

In Deutschland hatte ich vor meiner Abreise eine elektronische Reiseerlaubnis beantragt und ohne Probleme bekommen. Weil ich nicht vorhatte, auf Hawaii Geld zu verdienen, sondern nur Freiwilligenarbeit machen wollte, dachte ich, das genügt. Das hatte ich auch früher schon so gemacht, bei Reisen nach Alaska und New York.

Als ich am Flughafen von Seattle ankam, ging ich zur Passkontrolle. Der Beamte dort stellte sehr viele Fragen. Das hatte ich noch nie erlebt. Ob ich Leute in den USA kennen würde? Wo ich wohnen und ob ich in den USA arbeiten würde? Schließlich sollte ich ihm in ein Büro neben der Passkontrolle folgen. Offensichtlich gefielen ihm meine Antworten nicht. Ich hatte keine Ahnung, was los war, und wartete vor dem Büro für etwa eine Stunde.

Dann kam ein zweiter Beamter und verhörte mich zu meiner Reise, das dauerte etwa vier Stunden. Ich musste einen Eid schwören, dass ich die Wahrheit sagen würde, und musste erklären, warum ich in die USA gekommen war; wer meine Eltern sind, wo sie wohnen; wie viel Geld ich auf dem Konto habe; wie ich mir die Reise überhaupt leisten könne. Irgendwann entschied der Beamte, dass ich nicht einreisen dürfe und den nächsten Flug zurück nach Deutschland nehmen müsse.

Er sagte, Freiwilligenarbeit sei in den USA nicht gestattet, schließlich nehme das US-Bürgern Arbeitsplätze weg. Ich habe versucht zu erklären, dass diese Jobs speziell für Ausländer sind, die das Land und die Menschen kennenlernen wollen. Auch, dass ich ein Weiterflugticket nach Neuseeland hatte, machte keinen Unterschied. Mein deutscher Pass? Egal. Der Beamte hatte entschieden: Für ihn war ich eine illegale Einwanderin, die ohne Erlaubnis in den USA arbeiten wollte.

Ich bekam zwei Brötchen mit Wurst, eine Orange, eine Stange Sellerie in Plastikfolie

Ich erinnere mich noch, wie ich dachte: Wird schon alles gut gehen. Ist zwar schlecht gelaufen, aber dann fliege ich eben zurück nach Deutschland. Doch dann wurde mein Gepäck am Flughafen eingeschlossen und ich zu einem Gefangenentransporter gebracht, vorbei an den anderen Passagieren. Eine Beamtin sagte, sie mache mal eine Ausnahme und lege mir keine Handschellen an. Ich dachte, sie bringen mich in ein Hotel.

Nach einer Stunde Fahrt öffneten sich zwei große Metalltore. Sie hatten mich ins Northwest Detention Center in Tacoma, Washington, gebracht, ein Gefängnis für illegale Einwanderer. Verdammt, die stecken mich in den Knast! Das kann doch nicht wahr sein! Ich fing an zu weinen.

Ich wurde noch einmal befragt und musste verschiedene Formulare unterschreiben: dass ich geröntgt werden darf, dass ich einer medizinischen Untersuchung zustimme und dass man mir alle Medikamente geben dürfe, die man für nötig halte. Das fand ich ziemlich krass, musste es aber unterschreiben. Eine Wahl hatte ich eigentlich nicht.