Sind die verrückt geworden? Haben kaum Mitglieder in der Region, haben wenig Einfluss in der Gesellschaft und schließen ausgerechnet die einzigen Einrichtungen, mit denen sie viele junge Menschen erreichen können. Willkommen in der Realität der katholischen Kirche in Hamburg.

Am vergangenen Freitag gab der Generalvikar des Erzbistums Hamburg bekannt, dass die Kirche acht ihrer 21 Schulen in der Stadt schließen wird. Die Betroffenen sind entsetzt. Verständlicherweise: Die katholischen Schulen haben in der Stadt – genauso wie im ganzen Land – einen hervorragenden Ruf. Sie werden geschätzt, weil sie nicht als Problemschulen bekannt sind, selbst wenn sie in Vierteln liegen, die als Problemviertel gelten. Und häufig sind Eltern, Schüler und Lehrer an ihnen besonders engagiert.

Trotzdem ist die katholische Kirche in Hamburg nicht wahnsinnig. Sie hat eine Entscheidung getroffen, die rational begründet ist. Das Erzbistum im Norden ist das jüngste des Landes, gerade einmal 23 Jahre alt. Es hat keine goldenen Zeiten hinter sich wie beispielsweise das Erzbistum Köln, besitzt keine großen Schätze oder Rücklagen, die über die nächsten Jahrzehnte helfen könnten.

In Hamburg hat die Kirche Schulden. Genau gesagt: 79 Millionen Euro. Und wenn das Bistum so weitermacht, werden es bis zum Jahr 2021 mehr als 350 Millionen sein. So haben es vom Erzbischof engagierte Wirtschaftsprüfer ausgerechnet. Kein Unternehmen der Welt kann diese Entwicklung zulassen. Deshalb gibt es jetzt sogenannte Sofortmaßnahmen. Die Bildung ist der erste Bereich, in dem gehandelt wird. Bald werden auch Kirchen, Kindertagesstätten, Altenheime und Pfarrhäuser geschlossen.

Die Situation in Hamburg zeigt, was häufig verdrängt wird in Kreisen einer säkularen Elite, die ihre Kinder gerne konfessionell erziehen lässt: Kirchliche Schulen sind keine Selbstverständlichkeit. Selbst wenn die Anmeldezahlen stimmen und an ihnen hervorragend gearbeitet wird.

Die Schulen können nur unter zwei Bedingungen bestehen. Erstens müssen die Bistümer, die noch einigermaßen finanziellen Spielraum haben, die Fehler, die in Hamburg gemacht wurden, vermeiden: Pensionsrücklagen bilden, die Kosten für Renovierungen realistisch veranschlagen und keine weiteren Schulen eröffnen, wenn die bestehenden schon zu teuer sind. Zweitens müssen sich die Bundesländer überlegen, wie viel ihnen diese Schulen wert sind, von denen sie viele Jahre auch profitiert haben, weil die Bistümer einen Teil der Kosten übernommen haben.

Denn so paradox es klingt: Bei einer ärmer werdenden Kirche kann am Ende nur der Staat die konfessionellen Schulen auf lange Sicht erhalten.