Die meisten Menschen, die sich mit Kunst beschäftigen, sind bemüht, sie zu bewahren und vor Beschädigung oder Zerstörung zu schützen. Vorsicht mit der Ming-Vase! Zeichnungen am besten mit UV-Schutz rahmen lassen!

Doch es gibt Fälle, in denen die Zerstörung eines Werks die beste Lösung ist. Und zwar nicht nur, wenn ein Künstler am Ende eines produktiven Tages lediglich die gelungensten Entwürfe behält und den ganzen Rest schreddert, als strenger Redakteur seines eigenen Œuvres sozusagen.

Man könnte sich zum Beispiel folgende Situation vorstellen: Ein zeitgenössischer Künstler produziert eine Fotografie in einer limitierten Edition von sechs Stück. Bei einem Sammler, sagen wir, dem Besitzer des Abzugs Nummer fünf von sechs, fällt bei einer wilden Hausparty ein Regal um und stürzt in die rare Fotografie, sodass diese einen irreparablen Schaden davonträgt. Was passiert nun?

Es besteht die Möglichkeit, erklärt Ursula Cornely von der Kunstversicherung Uniqa, dass Künstler einzelne Werke einer Edition neu produzieren, falls das beschädigte Bild nicht restauriert werden kann. In diesem Fall bestehen die Versicherung und der Künstler darauf, dass das beschädigte Stück zerstört wird, denn natürlich darf die Nummer fünf aus einer Edition von sechs Exemplaren nur einmal existieren.

Für die Zerstörung verlangen Versicherung und Künstler dann freilich einen Beweis: In der Praxis kann das so aussehen, dass ein Umschlag mit zerrissenem Fotopapier verschickt wird. Oder der Künstler kann sich, wenn die Fotografie beispielsweise auf ein härteres Material wie Plexiglas aufgezogen ist, das Stück mit seiner Signatur heraussägen lassen.

Versicherungen übrigens sind in der Regel dankbar, wenn Künstler sich bereit erklären, Ersatz zu beschaffen. Denn der Totalschaden eines Werkes kann sie weitaus teurer zu stehen kommen als die Neuproduktion. Schließlich haben einzelne Fotografien, etwa von Andreas Gursky, auf Auktionen schon Preise von mehreren Millionen Dollar erzielt.