Janka Claasen, elf Jahre, sechste Klasse, Demokratische Schule X in Berlin

Seit dem Sommer gehe ich auf eine Demokratische Schule. Hier gestalten wir Schüler unsere Tage selbst. Klassen gibt es nicht, jeder darf mit jedem was machen. Meistens bleibt man aber bei denen, die gleich alt sind. Wir müssen insgesamt 25 Stunden in der Woche an der Schule sein. Und jeder entscheidet selbst, was er in der Zeit tun will.

Wir haben hier nicht einmal Lehrer. Es gibt Mitarbeiter, die uns beim Lernen helfen, wenn wir das wollen. Sie machen auch Lernangebote, zum Beispiel Englisch oder Deutsch. Zurzeit gehe ich aber kaum zu solchen Angeboten, ich spiele lieber Fußball und bin in der Werkstatt. So etwas gab es an meiner alten Grundschule nicht. Wir haben außerdem einen Raum mit vielen Matratzen zum Austoben, ein Musikzimmer, ein Labor und einen Computerraum. Und eine Teeküche, wo es jeden Morgen Frühstück gibt.

Wenn man geärgert wird oder uns etwas nicht passt, schreiben wir das auf einen Zettel. Einmal am Tag besprechen wir diese Beschwerden. Das läuft so ähnlich ab wie in einem Gericht.

Die Schule geht von der ersten bis zur zehnten Klasse. Klassenarbeiten haben wir in der ganzen Zeit keine, wir bekommen auch keine Zeugnisse und keinen Abschluss. Wer einen Abschluss machen will, muss die Prüfungen an einer anderen Schule machen. Die Mitarbeiter helfen uns aber beim Vorbereiten.

Ich will unbedingt später einen Abschluss machen. Außerdem hab ich mir vorgenommen, im nächsten Schuljahr viel zu lernen. Ich hab gemerkt, dass ich bei den Hausaufgaben meiner Freundinnen, die an einer normalen Schule sind, nicht mehr so gut mitkomme. Dabei war ich an meiner alten Schule eine gute Schülerin.

Florian, zehn Jahre, ist einer von geschätzt tausend Kindern in Deutschland, die zu Hause lernen

Ich bin Freilerner. Das heißt, ich gehe nicht zur Schule. Bin ich noch nie. Das ist in Deutschland aber verboten, es gibt hier eine Pflicht, in die Schule zu gehen. Weil meine Eltern und ich Schwierigkeiten bekommen können, möchte ich nicht sagen, wie ich wirklich heiße oder wo ich wohne. Im schlimmsten Fall holt mich die Polizei und bringt mich in eine Schule. Dass ich bisher noch nicht aufgeflogen bin, hat mit einem Trick zu tun, den meine Eltern machen. Mehr kann ich aber nicht verraten.

Mein Tag beginnt so um acht Uhr. Meine Mama oder mein Papa sind oft mit mir zu Hause, meistens mein Vater. Manchmal geben mir meine Eltern Unterricht, zum Beispiel in Schreibschrift. Sie haben mir auch Mathe beigebracht, sonst drängen sie mich aber zu nichts. Frei lernen heißt für sie, dass ich selbst entscheiden kann, was und wann ich lernen will.