Zwei besorgniserregende Nachrichten aus Amerika erreichen uns dieser Tage. Die erste: Die Weltraumbehörde Nasa wird wohl keine Astronauten mehr ins All schicken können, denn die Bereitstellung neuer Raumkapseln verzögert sich. Sowohl der Boeing-Konzern als auch das Start-up SpaceX hatten versprochen, bis 2018 neuartige Transporter für die bemannte Raumfahrt einsatzbereit zu haben. Beide Firmen können ihre ambitionierten Zeitpläne nicht einhalten. Um die Angelegenheit zu beschleunigen, soll die Nasa nun womöglich ihre Sicherheitsstandards anpassen. Bisher ist für die Zulassung eines Raumtransporters Vorschrift, dass es auf höchstens einem von 270 Flügen zu Todesfällen kommen darf. Für die SpaceX-Kapsel Dragon und den Starliner von Boeing müsste ein höheres Unfallrisiko in Kauf genommen werden.

Keine genauen Angaben liegen uns zu der Wahrscheinlichkeit vor, statt mit der Raumkapsel Dragon mit der Waschmittelkapsel Tide Pod ums Leben zu kommen. Das futuristische Produkt von Hersteller Procter & Gamble kombiniert Waschmittel, Fleckentferner und optische Aufheller in einem einzigen Beutel und zeichnet sich aus durch aerodynamisches Design, das an interstellare Trägerschiffe aus dem Film Star Wars erinnert. Die Tide Pods sind Gegenstand der zweiten besorgniserregenden Meldung aus Amerika: Seit Jahren schon wird dort vor den Gesundheitsgefahren gewarnt, die von ihnen ausgehen – vor allem Kleinkinder und Demenzkranke naschen gern von den Beuteln. Dabei kann der Verzehr von Waschpulver zu Verätzungen und lebensbedrohlichen Verletzungen führen.

Ein Risiko, das inzwischen von abenteuerlustigen amerikanischen Jugendlichen bewusst in Kauf genommen wird. Seit Anfang des Jahres haben sich beim US-Giftnotruf mehr als 30 Menschen gemeldet, weil sie absichtlich Tide Pods gegessen haben. Heranwachsende filmen sich dabei, wie sie die Päckchen in den Mund nehmen und aufbeißen, das Videomaterial veröffentlichen sie anschließen bei YouTube.

"Tide Pod Challenge" heißt dieser gefährliche Trend, denn die "Challenge", das ist heute eine Mutprobe im Internet. Ältere denken bei dem Wort aber auch an die US-Raumfähre Challenger, die 1986 kurz nach dem Start verunglückte, eine der Todeskatastrophen, die einmal alle 270 Flüge passieren dürfen. Mitnichten weit hergeholt ist es also, die beiden Nachrichten in Zusammenhang zu bringen. Früher träumte das amerikanische Kind davon, ein berühmter Astronaut zu werden – heute isst es Waschmittel auf YouTube. Früher flogen wir in futuristischen Kapseln ins All, heute tun wir futuristische Kapseln in die Buntwäsche. Weil uns die bemannte Raumfahrt keine Challenge mehr ist, wenden wir uns ab vom bestirnten Himmel über uns und kauen Fleckentferner. Kurz: Die Zukunft ist keine Sache der Nasa mehr, sie gehört jetzt Procter & Gamble.

Aber vielleicht stehen die Überlebenschancen mit einem Tide Pod ja besser als 270 : 1.