In einem arabischen Restaurant in Berlin-Mitte treffen sich vier Männer, die ein besonderer Vorname verbindet. Der Schauspieler Mohamed Achour, 38, ist aus Köln angereist. Der syrische Rapper Mohammad Abu Hajar, 31, hatte es nicht weit, er wohnt in Berlin. Genau wie Mohamad Hajjaj, 31, der Berliner Landesvorsitzende des Zentralrats der Muslime. Und dann ist da noch Ari Dillmann, 39. Er hieß früher Mohamad Khidir Mohamad und arbeitet als Friseur in München. Der Schauspieler bestellt Bier, der Rapper Anisschnaps, der Friseur Weißwein und der Mann vom Zentralrat einen Tee mit Minze. Die Getränke sind noch nicht serviert, da diskutieren schon alle.

Mohamed Achour: Mich interessiert total, was ihr für Geschichten mit eurem Namen erlebt habt. Ob die ähnlich sind wie meine oder nicht.

DIE ZEIT: Reden Sie sonst nicht über die Erfahrungen mit Ihrem Namen?

Achour: Schon, aber nicht mit anderen Mohammeds. Es gibt einen Theaterabend, da spreche ich einen Monolog, in dem es um den Namen geht. Auf der Bühne stehen Gläubige verschiedener Religionen – und drei, vier Schauspieler, die die säkulare Welt repräsentieren. Ich bin auf der Bühne und im Leben irgendwie dazwischen. Ich bin zwar nicht gläubig, aber ich bin halt Mohamed.

Mohamad Hajjaj: Der Name kann eine Bürde sein.

Achour: Bist du gläubig?

Hajjaj: Ja, ich bin Landesvorsitzender des Zentralrats der Muslime in Berlin. Aber ich wurde nicht gläubig erzogen. Erst in Deutschland wurde ich religiös, das war so eine Art Identitätssuche, ein Empowerment.

Achour: Wo bist du geboren?

Hajjaj: In einem Flüchtlingslager im Libanon. Als ich fünf war, kam ich nach Deutschland. Ich habe Abitur gemacht, studiert, und jetzt leite ich eine Antidiskriminierungsorganisation in Berlin-Wedding.

ZEIT: Mohammed ist der häufigste Name der Welt.

Hajjaj: Mohammed und alle seine Variationen: Mahmut, Mustafa, Hamada ...

ZEIT: Wie geht es Ihnen damit, Mohammed zu heißen?

Hajjaj: Gut. Obwohl ich weiß, und da gibt es auch Studien, dass Menschen mit muslimisch klingenden Namen häufig diskriminiert werden, auf dem Wohnungsmarkt etwa. Mohamad zu heißen, für mich ist das ein Kampf um Anerkennung.

ZEIT: Wie ist es mit den anderen?

Abu Hajar bittet um stilles Wasser, um seinen Anisschnaps zu mischen.

Mohammad Abu Hajar: Ich bin in Syrien aufgewachsen, habe also 25 Jahre im Nahen Osten gelebt. Die Hälfte meiner Klasse hieß Mohammed! Als Kind nervt das. Später hat der Name genervt, weil ich Atheist bin. Alle fragten: Mohammad, betest du? Mohammad, du trinkst? Mohammad, du isst während des Ramadan? Challas! Es reicht! Ich wollte den Namen loswerden.

ZEIT: Und heute?

Abu Hajar: Ich kam vor zwei Jahren nach Deutschland. Hier bin ich plötzlich für alle Mohammad, der Muslim, egal, wie viel ich trinke. Als ich im Krankenhaus war, habe ich den Leuten gesagt: Ich bin Mohammad, aber nicht der, der du glaubst. Und sie haben mir trotzdem kein Schweinefleisch gegeben. Ich dachte: Ich will mein Steak!

Hajjaj: Das ist ein guter Punkt. Es geht gar nicht um tatsächliche Religiosität, sondern um zugeschriebene. Wer Mohammed heißt, hat religiös zu sein. Im Grunde ist das rassistisch.

Abu Hajar: Ich würde den Namen gern vom Islam loslösen. Mohammed hieß so, bevor er Prophet wurde. Der Name ist also nicht islamisch, sondern arabisch. Und Arabersein ist Teil meiner Kultur.

Die Vorspeisenteller kommen: Hummus, Taboulé, gefüllte Weinblätter. Alle vier, egal, ob in Deutschland geboren, im Irak oder in Syrien, sprechen Arabisch mit dem Kellner.

ZEIT: Herr Dillmann, Sie haben den Namen Mohamad abgelegt.

Ari Dillmann: Ich bin in Nadschaf im Südirak geboren. Da als Mohamad aufzuwachsen war nicht einfach. Denn einen in Nadschaf geborenen Mohamad gibt es nicht. Dort heißt man entweder Ali oder Hussein oder Hassan.

Achour: Weil dort Schiiten leben, für die Ali der Nachfolger Mohammeds ist.

Dillmann: Genau. Mit 17 zog ich in den Iran. Mohamad aus Nadschaf – die Leute dachten, ich sei ein Agent. Vom Iran bin ich in die Türkei. Dort hieß es: Mohamad? Nein, ab heute heißt du Mehmet. Dann in Griechenland: kein Bedarf an Mohamads. In der Schweiz, in Deutschland, immer dasselbe: Ich kriegte keine Jobs.

Hajjaj: Und deshalb hast du deinen Namen geändert?

Dillmann: Ja.