Karl Marx hatte offenbar zu viele Romane von Marquis de Sade gelesen und sich aus einem davon den Satz "Religion ist Opium des Volkes" herausgefischt. Von da an negierte die marxistische Lehre die zahlreichen sozialkritischen Passagen, wie sie in der Bibel durchaus zu finden sind, bei den alten Propheten etwa von Amos bis Jeremia oder auch in Jesu Bergpredigt und der Apostelgeschichte.

Kommunismus und Kirche waren, seit Marx und Engels das Kommunistische Manifest verfasst haben, Feinde. Karl würde sich heute die Augen reiben, wenn er sähe, dass es vor allem die Kirchen sind, die ihre Stimme für die Opfer der Globalisierung und des Sozialabbaus erheben, nachdem die linken Ideologien historisch gescheitert sind. Von den Protestanten ist man solche kapitalismuskritischen Stimmen eher gewohnt, obwohl sie die Gewinnmaximierung mit ihrer Ethik immer glänzend vereinbaren konnten. Bei der katholischen Kirche findet man Ansätze in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Papst Johannes Paul II. hat die weltweite Ungleichheit zwischen Arm und Reich angemahnt, sein Nachfolger Benedikt XVI. kümmerte sich eher um die Probleme der inneren Verfasstheit seiner Kirche.