Protektionismus ist wie Rauschgift: erst der kurze Kick, dann der Absturz. Das wissen Junkies, und trotzdem dröhnen sie sich immer wieder zu – genauso wie die Abschotter. Zuletzt Donald Trump, der auf der Davos-Party beteuerte, "Amerika zuerst" bedeute nicht "Amerika allein", sein Land sei "open for business". Zuvor aber hatte der Mauerbauer erstmals seine alte Drohung wahr gemacht – mit einem 30-Prozent-Zoll auf Solarpanels und bis zu 50 Prozent auf Waschmaschinen. So werde er "Jobs in Amerika und für Amerikaner" schaffen.

Frönen wir der Ironie, bevor wir ins Grundsätzliche eintauchen. Der Sonnen-Zoll soll zwei Firmen begünstigen, die Insolvenz angemeldet haben, weil sie im Wettbewerb versagt hatten. Die eine, Suniva, gehört Chinesen, die andere, SolarWorld, einem deutschen Mutterkonzern, der ebenfalls insolvent ist. So tut Schutzengel Donald Gutes für China und Deutschland, Amerikas schärfste Rivalen auf dem Weltmarkt.

In den USA reagierte der koreanische Waschmaschinengigant LG Electronics mit einer sofortigen Preiserhöhung von 50 Dollar. Goldman Sachs sagt acht bis 20 Prozent höhere Preise voraus. So will Trump Wäschewaschen great again machen? Amerikas Konsumenten werden erst einmal ärmer, weil mit höheren Preisen ihr Realeinkommen sinkt.

Werden wenigstens die gehätschelten Firmen und deren Belegschaft reicher? Mag sein, aber die beiden Panel-Produzenten hatten nur 3.200 Arbeiter, derweil in der gesamten Solarindustrie 260.000 Jobs gefährdet sind. Denn deren Wertschöpfungskette hängt an preiswerten Kollektoren. Werden die teurer, müssen die Unternehmen ihre Anlagen-Preise erhöhen, was wiederum Nachfrage und Jobs reduziert. Der ergrimmte US-Sonnenenergie-Verband weissagt allein für dieses Jahr den Verlust von 23.000 heimischen Arbeitsplätzen.

Die Kunden werden durch den Preisanstieg ebenfalls (real) ärmer. Schlimmer: Sie verzichten auf das Solarkraftwerk für das traute Heim. So gehen Investitionen und abermals Arbeitsplätze verloren – für Dachdecker, Monteure und Zulieferer. Zurück in die Waschküche. Haben LG und Samsung (Südkorea) strafzollbedingt erst die Preise erhöht, wird die amerikanische Konkurrenz nachziehen. Unterm Strich: Der gemeine Konsument ist der Gelackmeierte. Aber nicht nur er.

Protektionismus dient nie der ganzen Nation, sondern nur einem kleinen, privilegierten Segment – den Nutznießern von Zöllen und Einfuhrquoten. Die treiben die Preise für X hoch und lädieren so die Konkurrenzfähigkeit der X-verarbeitenden Industrie auf dem Weltmarkt – wieder Jobverlust. Die Selbstbeschädigung frisst sich weiter. Wenn die Opfer der Abschottung Gleiches mit Gleichem vergelten, sinken US-Exporte und Job-Raten.

Der Torheit vorletzter Schluss: China, Trumps Zielscheibe, ist nur die Nummer vier bei den Solar-Lieferanten. Das heißt: Profitieren werden nicht Amerikas Arbeiter, sondern Malaysia, Südkorea und Vietnam. Deren Exporte in die USA werden steigen, ohne dort einen einzigen neuen Job zu schaffen. Bei den Waschmaschinen darf sich Mexiko auf Umsatz freuen. Den Gipfel der Unvernunft will Trump noch besteigen. Jetzt will er sich die EU ("very unfair") vornehmen, auf breiter Front. Die EU wird zurückschlagen, die Verlierer sind die Arbeiter und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks. So agiert ein "stabiles Genie".