Um das größte Finanzdebakel in der Geschichte Hamburgs zu verstehen, hilft eine neue Recheneinheit: eine Elbphilharmonie, das entspricht etwa 790 Millionen Euro, denn so viel haben die Steuerzahler für den Bau des Konzerthauses zahlen müssen. Die missglückten Spekulationen der staatseigenen HSH Nordbank werden Hamburg und Schleswig-Holstein sehr viele Elbphilharmonien kosten. So viel ist klar. Wie viele, ob eher 18 oder 22, das hängt von den kommenden Tagen ab.

Bis zum 28. Februar um 23.59 Uhr muss ein Interessent einen Kaufvertrag für die Bank unterzeichnet haben, sonst wird sie abgewickelt. Das hat die EU-Kommission vor zwei Jahren entschieden. Seit Monaten verhandeln die Länder streng vertraulich mit möglichen Investoren. In geheimen Treffen mit den Managern der interessierten US-Fonds warben Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) persönlich für die Bank. Sie stehen unter gewaltigem Zeitdruck.

Aus den Verhandlungen wird kolportiert, dass zwei US-Fonds je 700 Millionen Euro bieten, also immerhin fast eine Elbphilharmonie für eine Bank, bei der vor Kurzem die meisten Experten davon ausgingen, dass sie kaum einen Euro wert ist. Wird also doch noch alles gut?

Bei positiven Nachrichten zur HSH Nordbank ist Vorsicht angebracht. Zu oft hat die Bank ihre Lage geschönt, zu oft hat die Politik Probleme kleingeredet. Fast immer lagen Banker und Regierungen falsch. Wie steht es also um den Verkauf der Bank – und um die Risiken für die Steuerzahler?

Offiziell ist darüber wenig bis nichts zu erfahren, alle Verhandler hüten sich davor, Interviews zu geben. Man muss sich deshalb mit den Zahlen der Bank beschäftigen und mit Menschen sprechen, die nah dran sind am Geschehen. Als Erstes begreift man dann: Man muss die Vergangenheit kennen.

Die begann vor 15 Jahren. 2003 fusionierten Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Landesbanken zur HSH Nordbank. Das Ziel: sie an die Börse zu bringen und damit Geld zu verdienen. Damit die Bank für Investoren attraktiv würde, sollte sie schnell wachsen. Sie lieh sich günstig eine gewaltige Menge Geld, für das die Länder bürgten. Und sie investierte – mit dem Segen der Politik – vor allem in innovativ klingende Finanzprodukte und Schiffskredite. Das Risiko geriet völlig aus dem Blick.

So vollbrachten die Banker das Kunststück, gleich in zwei existenzbedrohende Krisen hintereinander zu rutschen. In der Finanzkrise ab 2007 erwiesen sich zunächst viele der innovativ klingenden Finanzprodukte als wertlos, die Bank musste zum ersten Mal vom Steuerzahler gerettet werden. Drei Milliarden Euro überwiesen die Länder der Bank im Jahr 2009, außerdem übernahmen sie eine Garantie für Verluste von zehn Milliarden Euro. Damals hieß es noch, die Bank werde die Garantie nie brauchen. Ein Irrtum.