Ingvar Kamprad hat nie sonderlich zwischen sich und seinem Unternehmen unterschieden. Das zeigt schon der Name der Möbelhauskette: Die Buchstaben I und K in Ikea sind seine Initialen. Das E stand für Elmtaryd, jenen Waldbauernhof, auf dem er aufgewachsen war und schon als Jugendlicher einen Versandhandel für Uhren und Stifte betrieben hatte, das Bullerbü-Paradies seiner Kindheit. Und das A stand für Agunnaryd, das nahe gelegene Dorf.

Bis zum Tod seiner Frau Margaretha 2011 lebte Ingvar Kamprad zwar in der Schweiz, unweit des Genfer Sees. Doch dann kehrte er nach Schweden zurück und verlegte 2014 seinen Wohnsitz auch formell wieder in seine alte Heimat, der er 1973 aus Steuergründen den Rücken gekehrt hatte. Das Gehöft seiner Kindheit gibt es noch, aber es liegt einsam und schwer erreichbar im dunklen småländischen Wald, sodass er sich in seinem Sommerhaus niederließ, auf der anderen Seite des Möckeln-Sees, in Bölsö. Dort starb er am vergangenen Samstag im Alter von 91 Jahren.

Doch auch wenn Kamprad zwischendurch viele Jahre im Ausland gelebt hat: Ikea selbst ist nie ganz fortgezogen aus der nahe gelegenen Kleinstadt Älmhult, in der Kamprad 1953 seine erste dauerhafte Möbelausstellung eröffnet hatte. Dort befindet sich heute das Design- und Entwicklungszentrum, in dem das Sortiment für die rund 400 Einrichtungshäuser weltweit festgelegt wird. Und in Kamprads Holzhaus am See trafen sich noch im vergangenen Jahr Ikea-Manager zu Tagungen, an denen der Alte teilnahm.

Seit der Gründung 1943 ist Ikea zu einer Unternehmensgruppe mit heute 34 Milliarden Euro Umsatz und 150.000 Mitarbeitern herangewachsen. Das Unternehmen wurde in einem Maße durch die Persönlichkeit seines Gründers geprägt, wie das bei kaum einem zweiten weltweit tätigen Konzern der Fall ist. Die Bedeutung Kamprads für Ikea ist allenfalls vergleichbar mit der Rolle, die Steve Jobs in seinen späten Jahren bei Apple spielte.

Bis ins hohe Alter hinein hatte Kamprad Ikea ziemlich fest im Griff, durch seine Positionen in Aufsichtsgremien und nicht zuletzt, weil er eine Vater- und Großvaterfigur für das überwiegend schwedischstämmige Management war. Eine lebende und recht präsente Legende, der man es stets recht zu machen versuchte, selbst wenn man nicht genau wusste, wie. "Es ist nicht wichtig, was Ingvar sagt", lautete eine Redensart unter Ikeas Führungsleuten, "es ist wichtig, was er meint."

Auf welch subtile Weise Kamprad Ikea regierte, das hat sein früherer Assistent Johan Stenebo vor Jahren in einem Buch beschrieben. Begrüßungen spielten bei der Machtausübung eine wichtige Rolle. "Händeschütteln ist ganz neutral, eigentlich nichts. Wirst du umarmt, bist du ganz in Ordnung. Wirst du umarmt und bekommst einen Kuss auf die Wange, dann gehörst du zu den Vertrauten. Und wenn du beim nächsten Mal keinen Kuss bekommst, fragst du dich natürlich, warum. Aber Ingvar weiß genau, warum."

Hochrangige Manager fühlten sich geadelt, wenn der Alte sie als "echter Ikea-Junge" titulierte. Dabei machte Kamprad seine Mitarbeiter in gewisser Weise klein, und er tat das wohl ganz bewusst. Keiner sollte abheben, niemand durfte sich als Star fühlen. Kamprad legte großen Wert auf eine egalitäre Firmenkultur und auf Bescheidenheit des Einzelnen. Dazu gehört, dass Ikea-Manager sich mit unterdurchschnittlichen Gehältern zufriedengeben und auf Statussymbole verzichten müssen.

Ikeas Erfolg gründet sich zu einem großen Teil auf Design. Das Unternehmen ist im Laufe seiner Internationalisierung bei Möbeln sogar zu einer Art Welt-Stilcompany geworden. Doch daran hatte der Gründer selbst so gut wie keinen Anteil. Dafür hatte er seine Leute.

Ingvar Kamprad war erklärtermaßen kein Ästhet, er interessierte sich auch nicht sonderlich für Wohnkultur. Man tut ihm wohl nicht einmal unrecht, wenn man über ihn sagt, dass er schlichtweg keinen Geschmack hatte.