Diese seltsame Mütze fand ich in einem Secondhandladen in einem Stadtviertel Tokios, das sonst für sein Geschirr berühmt ist. Da ich ein strenges Verbot meiner Familie auferlegt bekommen hatte, keine weiteren Teller und Teetassen und Reisschalen aus Japan anzuschleppen, hatte ich tatsächlich nichts gekauft und fühlte mich unschuldig und rein, als ich auch schon in diesem kleinen Laden versank, der alte Textilien anbot.

Aus einem Haufen zog ich diese Mütze heraus und setzte sie auf. Sie war ein wenig kratzig und sehr schwer, sie roch diffus nach Rauch, als habe ein Kettenraucher sie getragen, ich sah nur aus einem schmalen Schlitz, den man auch zuklappen konnte. Also eine Komplettverhüllung. Ich sah mich schon, wie ich sie im Winter auf dem Fahrrad trug, bestens geschützt gegen Wind und Wetter, ich lachte und fragte den Verkäufer, für welche Anlässe diese Mütze denn wohl gedacht gewesen sei. Seine Antwort verstand ich nicht, er schrieb sie auf, es war eins der wenigen chinesischen Schriftzeichen, die ich beherrsche, endlich verstand ich: Feuer! Eine Feuerwehrmütze. Sie wurde in Wasser getaucht und klatschnass aufgesetzt, um sich so in das zu löschende Feuer zu stürzen. Und dann sagte der Verkäufer noch eine Zahl: 1923, das Jahr des großen Kanto-Erdbebens.

Es geschah zur Mittagszeit, als gerade überall in den alten Holzhäusern auf offenen Feuern gekocht wurde. In Windeseile breitete sich ein gigantischer Feuersturm aus, angefacht von einem nahenden Taifun. Die Stadt Tokio wurde fast vollständig zerstört. Der Verkäufer nickte ernst und sagte jetzt mit einem Mal auf Englisch: "The hat saw it." Ich hatte immer noch die Mütze auf dem Kopf, der Verkäufer schrieb eine Zahl auf ein Stück Papier und hielt sie mir vor den Sehschlitz. Ich rechnete um, siebzig Euro für den Zeitzeugen einer Katastrophe, die Mütze eines vielleicht sehr tapferen Feuerwehrmanns, den ich so posthum noch ehren konnte, ich hatte jetzt kaum noch eine Wahl. Ich kaufte sie also und schleppte sie mit nach Deutschland. Die Familie verdrehte die Augen, aber es war immerhin keine weitere Keramik. Manchmal setze ich sie kurz auf und bilde mir ein, den fast hundert Jahre alten Rauch und den Angstschweiß eines tapferen Feuerwehrmanns zu riechen. Vielleicht war es nur eine Geschichte, die mir der Verkäufer erzählt hat – aber sie ist nun in meinem Kopf und geht auch nicht mehr weg.