Hinzu kommt, dass die meisten Kreativen unfähig sind, den Wert ihrer Leistung nüchtern zu bemessen. Die Zahnärztin kann genau vorrechnen, wie viel der Stiftzahn kostet. Der Installateur weiß, wie viel er für das Material, wie viel er für seine Arbeitsstunde und wie viel er für die Wegzeit berechnen muss. Wenn die Friseurin täglich zehn Haarschnitte macht, weiß sie, es wird ein profitabler Tag. Kreative hingegen können selten beziffern, wie viel ihre Arbeitsstunde ungefähr wert ist. Zudem weiß man nie, wie lange man brauchen wird. Und wenn die zündende Idee eben nicht gleich morgens unter der Dusche kommt, schämt man sich später zu sagen: An diesem Satz habe ich eine Woche lang gebastelt. Deswegen druckst man rum, weicht der Honorarfrage aus, flüchtet sich in unkonkrete große Gesten ("Da werden wir uns schon irgendwie einig werden") – und muss sich später fragen, wie man seine – sehr konkreten – Zahnarzt- und Installateurrechnungen bezahlen soll. Doch sobald dann wieder eine dieser charmanten Einladungen ins Haus flattert, vergisst man sofort den Berg unbeglichener Rechnungen und akzeptiert die Ersatzwährung, die statt Geld geboten wird: Aufmerksamkeit. Was weit weniger irrational und eitel ist, als es klingt.