I. Eine besondere Farbe

Der Himmel ist blau. Das Meer ist blau. Und die Erde ist, aus dem Weltraum gesehen, ein blauer Planet. Die Farbe Blau darf also Respekt erwarten – und so war sie in der Malerei stets etwas Besonderes. Das schönste Blau wurde aus Lapislazuli, dem Lasurstein, gewonnen. "Diese Steine sind es eben, die uns viel Vergnügen geben, woraus wir Ultramarin, die so rare Farbe, ziehn", reimte im 18. Jahrhundert Barthold Heinrich Brockes.

II. Aufwendige Gewinnung

Es gab zwar auch andere Möglichkeiten, blau zu malen: Hans Memling, Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel oder Rubens griffen auf Azurit, ein Mineral, zurück. Tintoretto oder Frans Hals bedienten sich, wenn es um eher beiläufige Bildpartien ging, des Pflanzenfarbstoffs Indigo. Beide Blaufarben galten aber als weniger kräftig und weniger beständig als Lapislazuli. Dieser Lasurstein war, weil er aus Afghanistan importiert werden musste, jedoch sehr rar und in der Verarbeitung aufwendig: Er wurde zermahlen, mit Pinienharz, Bienenwachs und Mastix viele Tage lang zu einem Kuchen geknetet und dann mit Wasser behandelt, damit sich die Blaupigmente herauslösten.

III. Vertraglich abgesichert

So war Lapislazuli, abgesehen von Gold, die teuerste Farbe. Nicht zuletzt deshalb blieb in der italienischen Malerei bis ins 16. Jahrhundert die Farbe Blau allein Christus und der Madonna vorbehalten. In der Renaissance handelten Maler und Auftraggeber den Anteil von Blau im Bild und die Kosten für Lapislazuli oft gesondert aus. Das verrät der Vertrag zwischen Botticelli und dem Florentiner Bankier Giovanni d’Agnolo de’ Bardi für die Madonna Bardi oder zwischen Leonardo da Vinci und der Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis für die Felsgrottenmadonna der Mailänder Franziskanerkirche San Francesco Grande.

IV. Aus Blau nicht schlau

Günstiger würde die Farbe, wenn sie künstlich produziert werden könnte. So setzte 1824 die französische Societé d’encouragement pour l’industrie nationale einen Preis für den aus, der Lapislazuli zu synthetisieren vermochte. Erst vier Jahre später entwickelten dann aber gleich drei Personen auf einmal Verfahren zur Herstellung von künstlichem Lasurstein: Jean-Baptiste Guimet in Toulouse, Christian Gottlob Gmelin in Tübingen und Friedrich August Köttig in Meißen. Teuer blieb das satte Blau zwar auch danach, unerschwinglich aber war es nicht mehr. Die künstliche Farbe erwies sich allerdings als unberechenbar: Immer wieder hellte sie auf oder vergraute und verlor an Tiefenwirkung. "Ultramarinkrankheit" nannte man das. Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius reimte deshalb: "Gebt euch keine Mühe mit Blau – Ihr werdet aus Blau nicht schlau."