Fack ju Göhte ist der deutschsprachigen Öffentlichkeit nicht zumutbar. Der Name des Kinofilms könne nicht als Marke geschützt werden, weil er gegen die guten Sitten verstoße. So hat es jedenfalls das Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg festgestellt und damit eine Entscheidung des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) in Alicante bestätigt.

Die Produktionsfirma Constantin Film wollte Fack ju Göhte als Marke eintragen lassen, um exklusiv am Verkauf von allerlei Zeugs mit dem Schriftzug verdienen zu können. Neben Fortsetzungen und Ablegern sind solche Merchandise-Produkte eine weitere Möglichkeit, Kapital aus einer Idee zu schlagen, die sich am Markt bewährt hat. Und funktioniert hat Fack ju Göhte zweifellos – Teil zwei und drei waren schon in den Kinos und wurden dort von Millionen Fans gesehen.

Nun erschweren allerdings die Urteile der Sittenwächter der EU die weitere Vermarktung des Projekts. Deren Argumentation ist humorlos, aber ohne Frage stringent: "Fack ju" erinnere deutschsprachige Verbraucher an das englische fuck you. Dies sei als Aufforderung zu verstehen, "mit sich selbst handelsüblichen Beischlaf auszuüben", schreibt das EUIPO. Das sei beleidigend und folglich abzulehnen.

Diese wörtliche Interpretation wollte Constantin Film nicht gelten lassen und klagte gegen die Ablehnung. Fuck you sei ein gängiger Fluch und habe keine sexuelle Bedeutung. Außerdem sei ja offensichtlich nicht das Publikum gemeint, sondern "Göhte". Damit werde "in scherzhafter und jugendlicher Weise" der "hinreichend bekannte Schulfrust" verbalisiert.

Womöglich wollte die Produktionsfirma die Juristen einfach nur bei der Coolness packen und ein bisschen provozieren. Fuck you wörtlich zu nehmen ist ja total nuller Jahre. Wer das tut, hat keine Ahnung. Fristen die Markenrechtler vielleicht ein graues Dasein, nachdem sie stets kleine Streber waren, die Schulfrust allenfalls vom Hörensagen kannten? Dann wäre jetzt die Chance gekommen, sich als Verteidiger der jugendlichen Redefreiheit zu etablieren und zu zeigen, dass man Ahnung hat von den Sorgen der Teenager und ganz und gar auf der Höhe der Zeit ist.

Doch die Juristen des EuG zeigten sich unbeeindruckt. Sie gaben den Vertretern des Markenamts EUIPO recht, die argumentieren, dass der Ausdruck "durch eine ihm innewohnende Vulgarität geprägt" bleibe, auch wenn damit "Wut, Enttäuschung oder Missachtung" ausgedrückt würden. Vom "verletzenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Charakter der Beschimpfung" könne auch "der ergänzende Bestandteil ›Göhte‹, mit dem ein hochangesehener Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe posthum in herabwürdigender und vulgärer Weise verunglimpft" werde, "noch dazu in fehlerhafter Rechtschreibung", nicht ablenken.

Das saß. Ob Constantin Film dagegen noch Einspruch beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg erheben wird? Es gäbe durchaus Präzedenzfälle, auf die man verweisen könnte. Das europäische Markenregister belegt es. Da ist zum Beispiel die Bekleidungsmarke "Fuck Winter" eingetragen – hier zog das Argument, dass die Beleidigung nur die Jahreszeit betreffe. Eine ähnliche Rechtfertigung wurde im Falle von "Fuck Cancer" allerdings abgelehnt. Auch Getränkehersteller spielen gerne und markenrechtlich erfolgreich auf Geschlechtsverkehr an (siehe Kasten).

Selbst wenn Constantin Film sich dagegen entscheiden sollte, den Fall Fack ju Göhte weiter auszufechten, bleibt der Produktionsfirma ein Hoffnungsschimmer. Die Beamten des deutschen Markenamts stehen dem Sittenverfall spürbar entspannter gegenüber als ihre europäischen Kollegen: Constantins Marke "Leck mich Schiller" wurde im September 2015 ohne Widerspruch eingetragen.