Keas sind intelligent. Vielleicht ein bisschen zu intelligent für ihr eigenes Wohl. Jedenfalls begeben sich die olivgrünen Bergpapageien aus Neuseeland regelmäßig in brenzlige Situationen. Einige vertreiben sich die Zeit, indem sie Scheibenwischer und Seitenspiegel von Autos zerstören, andere werfen Steine oder "surfen" auf fahrenden Autos.

Die Scheu vor Menschen haben sie schon lange abgelegt, nun offenbar auch jene vor Straßen und Fahrzeugen. Straßenarbeiter stießen auf der Südinsel Neuseelands auf Verkehrshütchen, die mitten auf der Fahrbahn lagen, und rätselten über die Verantwortlichen. Videoaufnahmen vom Eingang eines Tunnels in der Nähe brachten Klärung. Die Videosequenz, die auf der Nachrichtenseite stuff zu sehen ist, zeigt: Es waren die olivgrünen Keas, die erst die Pylonen umgeworfen und sie dann auf die Straße gezogen hatten.

Dieses Verhalten ist für Keas nicht ungewöhnlich. Die Tiere wurden auch schon dabei beobachtet, wie sie Werkzeuge und Metallteile auf die Fahrbahn legten. Über die Motivation der Vögel wird spekuliert. Gehen manche Experten schlicht von Langeweile aus, vermuten andere dahinter einen ausgeklügelten Plan: Die Keas würden gezielt Autos zum Anhalten zwingen, um leichter Futter erbetteln zu können.

Tatsächlich kommt es häufig vor, dass die Vögel recht aggressiv Nahrung einfordern und dabei auch keine Angst vor fahrenden Autos haben. Immer wieder sterben Tiere bei der Aktion. Jährlich werden Dutzende Keas überfahren. Um das zu verhindern, haben neuseeländische Tierschützer an gefährlichen Straßen Fitnessstudios für Keas aufgestellt. An so einer Metallkonstruktion finden die Vögel Schaukeln, Leitern und andere Klettermöglichkeiten.

Dort sollen die Keas ihrem Spieltrieb nachgehen und so von der Fahrbahn ferngehalten werden. Einer der Plätze ist zudem mit Kameras ausgestattet, die das Geschehen überwachen. Die Daten werden von Forschern der University of Canterbury ausgewertet, die so noch bessere Unterhaltungsmöglichkeiten für die Vögel entwickeln wollen.

Keas sind, gerade aufgrund ihrer Intelligenz, unter Neuseeländern umstritten. Manche lieben die Tiere, andere stört ihr aufdringliches Verhalten. Auch deswegen ist die Art stark gefährdet: Laut Schätzungen leben noch zwischen 3.000 und 7.000 der etwa 45 Zentimeter großen Vögel in Neuseeland.

Zudem sterben viele Keas an Bleivergiftungen: Aus Neugier spielen sie mit allem, was sie in den Schnabel bekommen, auch bleihaltigen Nägeln und Blechen von Dächern. Bis vor knapp 50 Jahren wurden die Vögel noch gejagt, weil sie Schafe wegen ihres Fetts angriffen. Rund 150.000 Keas wurden getötet, schätzt man. Heute stehen die schlauen Tiere unter Artenschutz.