Geboren wurde die No-Billag-Idee, so erzählen es ihre Initianten, im Herbst 2013 in einer Bar in Zürich. Nach einer Vorstandssitzung der Jungfreisinnigen saßen drei von ihnen noch bei einem, zwei, vielen Bier zusammen und ärgerten sich über die Billag-Gebühren.

Mit dabei war auch Christian Zulliger. Der Hedgefonds-Mitarbeiter ist Mitglied bei den Jungfreisinnigen, hat Betriebswirtschaft an der Uni St. Gallen studiert und ist Gründer des Zürcher Hayek Clubs. Ein Verein, der "Freiheitsfreunde aus der ganzen Schweiz" zusammenbringen möchte. An "Events, Workshops, Seminaren und regelmäßigen Treffen" wollen sich die Mitglieder mit einer "freien Gesellschaft im Sinne Friedrich August von Hayeks" beschäftigen, wie es auf ihrer Website heißt. Der Ökonom und Staatsphilosoph ist einer der Säulenheiligen der Schweizer Libertären.

Am Donnerstagabend vergangener Woche fahren die Hayekianer, wie sich Zulliger und seine Freunde nennen, nach Müllheim im Kanton Thurgau. Hier empfängt sie Daniel Model, ein erfolgreicher Verpackungsunternehmer, der schweizweit bekannt für seine Aversion gegen den Staat ist. Die Abneigung geht so weit, dass Model vor zwölf Jahren sein eigenes Fantasialand ausrief: Avalon. Und wie es sich für einen Staat gehört, brauchte auch Avalon einen Regierungssitz – den Modelhof.

Am liebsten würden die Libertären aus der AHV austreten

Grau und groß ragt das Gebäude in die Nacht. Die Kuppel ist kaum zu erkennen. Die Messingtüren lassen sich nur schwer öffnen. Daniel Model, schlanke Statur, barocker Kittel, begrüßt die Besucher. Auf dem Programm stehen heute Abend: "Rosinen aus Hayeks Werk". Es referieren Robert Nef, Publizist und ehemaliger Direktor des Liberalen Instituts, und Christoph Frei, Titularprofessor für Politikwissenschaft an der Universität St. Gallen.

Etwa dreißig Leute sind gekommen, sie sitzen auf Holzstühlen, die auf einem roten Teppich aufgereiht sind. Christian Zulliger hat sich in die letzte Reihe gesetzt. Nef beginnt mit einigen Beispielen, warum Hayeks Werk noch immer von großer Bedeutung sei. "Nehmen wir staatliche Monopole. Da gibt es in der Schweiz ja gerade ein ganz bekanntes Beispiel dafür."

Später verschiebt sich die Gesellschaft in die Bibliothek. Eine breite Steintreppe führt in den ersten Stock in einen hohen Raum mit dunklen Holzmöbeln. In den Regalen stehen Bücher mit Titeln wie: Im Paragraphenrausch, Parteien ohne Volk oder Der Staat als Beute. Robert Nef rezitiert Hayek und endet mit dem Satz: "Wenn die Schweizer ein freies Volk bleiben wollen, müssen sie in der Einschränkung der Regierungsmacht noch weiter gehen, als sie schon gegangen sind."

Kaum hat der 75-jährige Nef geschlossen, zieht sich Christian Zulliger seine rote Outdoorjacke über das hellblaue Hemd, steckt sich eine Zigarette in den Mund und eilt die Treppe hinunter ins Freie. Endlich rauchen.

DIE ZEIT: Wie passt die No-Billag-Initiative zu den Lehren Hayeks?

Christian Zulliger: Das Schweizer Radio und Fernsehen sind ein Monopol, noch dazu ein staatliches. Dieses abzuschaffen wäre ganz im Sinne Hayeks. Außerdem ist die Idee natürlich aus ordnungspolitischer Sicht zu befürworten.

ZEIT: Und was, wenn Sie nicht nur die Radio- und Fernsehgebühren abschaffen, sondern die ganze Schweiz nach libertären Ideen umgestalten könnten?

Zulliger: Die Initiative ist keine libertäre Idee, sondern eine klassisch liberale.

ZEIT: Für welche staatlichen Leistungen wären Sie denn bereit zu zahlen?

Zulliger: Nur für das, was ich auch brauche. Also für innere und äußere Sicherheit.

ZEIT: Und wer bezahlt, wenn Sie eine teure Operation brauchen?

Zulliger: Eine private Versicherung natürlich! Ich würde am liebsten aus der AHV austreten, aus dem Steuersystem und natürlich auch aus der obligatorischen Krankenversicherung.

Der 30-Jährige ruft seine Sätze in die Nacht. Dann zündet er sich noch eine Zigarette an.