Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Katholische Klischees sind in der Filmlandschaft beliebt. Ein aktuelles Beispiel ist die neue Serie Sankt Maik. Hier spielt ein Ganove den Priester – und er trägt dabei, was man an deutschen Geistlichen kaum mehr sieht: eine Soutane. Das schwarze, fast bodenlange Priestergewand ist hierzulande längst unter Klerikalismusgeneralverdacht geraten und damit Teil einer scheinbar dunklen Vergangenheit. Die Soutane tragen heute eigentlich nur noch Bischöfe und die Mitglieder einiger Ordensgemeinschaften.

Bevor mich jemand falsch versteht: Ich möchte keinem Priester vorschreiben, was er zu tragen hat. Aber ich gestehe: Ich schätze die Soutane. Das oberflächliche Argument zuerst: Wer sie unbefangen betrachtet, muss doch zugeben: Sie ist elegant. Ein schlichtes Stück Kleidung, das zu allen Anlässen passt und in dem jeder Geistliche leicht bella figura macht. Modedesigner müssen die Soutane lieben. Auf ein Holzfällerhemd samt schlecht gebundener Krawatte und Kreuz-Anstecker, die Alltagskleidung vieler Geistlicher, trifft das eher weniger zu. Ehrlich gesagt, lässt diese Kombination den Priester oft weltfremd wirken – obwohl er mit seinem vermeintlichen Casual Look gerade das Gegenteil erreichen möchte. In Zeiten, in denen das Berufsbild Pfarrhaushälterin ausstirbt, ist das ein Problem, das eher zu- als abnimmt. Wie die Soutane bewahrt auch das Collarhemd, das klassische Priesterhemd mit weißem Streifen am Kragen, vor manchem Fauxpas.

Mal alle Äußerlichkeiten beiseite: Die priesterliche Kleidung ist natürlich vor allem inhaltlich bedeutungsreich. Da wäre das Schwarz, das den Verzicht symbolisiert. Es steht für das Fremdsein des Priesters in der Welt und verweist darauf, dass es noch etwas Größeres gibt. Mich beeindruckt es, dass der Priester, während er die Soutane anlegt, idealiter einen Vers des 15. Psalms betet: "Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches. Du bist es, der mir zurückstellen wird mein Erbe." Mir verdeutlicht das: Priester sein ist viel mehr als ein Job. Am auffälligsten sind aber natürlich die vielen Knöpfe, und auch sie haben einen Sinn. Es sind genau 33, jeder steht für ein Lebensjahr Jesu auf der Erde. Das alles macht doch deutlich – die Soutane ist nicht nur ein Stück Kleidung. Sie und das Collarhemd sind für mich eschatologische Ausrufezeichen in der Welt.

Außerdem machen beide einen Seelsorger auf den ersten Blick sichtbar. Ein junger Priester sagte mir mal, für ihn heiße der weiße Streifen an seinem Hals übersetzt: "Sprich mich an!" Es kommen aber auch Anfeindungen – nicht selten von den eigenen Leuten, die dem Collarträger gleich ein traditionelles Kirchenbild unterstellen. Aus vielen Begegnungen kann ich mit Sicherheit sagen: Längst nicht jeder Soutanist wünscht sich vor das Zweite Vatikanum zurück. Dass die Angst vor diesem Stempel junge Kleriker bremst, finde ich schade. So bleibt der populäre, sichtbare Jungpriester weiter ein falscher "Sankt Maik".