Es war am Donnerstag vergangener Woche auf dem Treffen des World Economic Forum in Davos. Einige Durchgänge und Treppen wurden abgesperrt, und die aufgehaltenen Teilnehmer entschieden sich zu warten, als sich eine Nachricht schnell verbreitete: Gleich kommt Donald Trump hier entlang.

Irgendwann kam er wirklich eine kleine Freitreppe herunter, den Kopf nach oben gereckt, das Gesicht angespannt. Wartende Fernsehjournalisten fragten, wie es laufe. Toll, sagte Donald Trump, super Treffen habe er, neuer Wohlstand entstehe. Sein Gesicht, seine Haltung, sie entspannten sich. Dann fragte einer gut hörbar, warum er, der doch "America first" predige, nun die Nähe all dieser Führer anderer Nationen suche. Trumps Miene verfinsterte sich umgehend, er wirkte fast enttäuscht, drehte sich weg von der Öffentlichkeit, die sich da aufgebaut hatte, und ging still davon.

Trumps Auftritt in Davos gilt als Erfolg. Und tatsächlich war seine Rede vor dem Plenum des Forums vergleichsweise souverän, also ohne große Peinlichkeiten, Beschimpfungen, Aussetzer. Doch in Wahrheit hatte der amerikanische Präsident nicht nur einen Auftritt, sondern viele kleine und größere Momente während seiner zwei Tage in der Schweiz, und derjenige auf der Treppe zeigte so gut wie die Rede am Tag danach: Trump wollte nur senden, nicht diskutieren und schon gar nicht empfangen.

Was hat er nun gesendet, nachdem der Forumsgründer Klaus Schwab ihn bei der Vorstellung vorsichtig ermahnt hatte, neue nationale Sozialkontrakte müsse man mit den Notwendigkeiten internationaler Zusammenarbeit ausgleichen? Der (relativ kleine) business man, wie Trump sich selbst nennt, rief den anderen (relativ großen) business men im Saal zu, sie sollten in Amerika investieren. Er pries geringe Steuersätze an, die boomende Konjunktur, die zusammengestrichene Regulierung. Trump tat das, was so viele nationale Politiker vor den CEOs der weltweit führenden Unternehmen tun. Er kam als Marktschreier für sein Land.

Das war merkwürdig, weil der Präsident zu Hause als Dauer-Wahlkämpfer vor den zornigen Amerikanern den Zustand des Landes regelmäßig herunterredet. Es war auch komisch, weil er sich steigende Aktienkurse und sinkende Arbeitslosigkeit praktisch allein zuschrieb – und ein klein wenig seinem "tollen Team" von Ministern, die in großer Zahl in den ersten Reihen saßen und dem Chef applaudierten. Außerdem war die Rede im Ton relativ konziliant, vor allem als er den neuen Spruch von den beiden durchsichtigen Telepromptern vor sich ablas, dass "America first" keineswegs "America alone" heiße. Was man so sagt als Marktschreier von Weltrang.

Bis dahin war das eigentlich nichts Neues, nur die Verpackung war unerwartet freundlich. Der Präsident sagte eben, dass die Nationen der Welt mit weniger Staat und hart verhandelten bilateralen Handelsverträgen um das Geld der Welt wetteifern sollten – und dass seine Vereinigten Staaten darin nun besonders gut seien. Dank ihm, ist ja klar.

Und doch verbarg sich in der Rede eine große Herausforderung an die konkurrierenden Regierungs- und Staatschefs, die dem Westen eine ganz andere Richtung weisen als Trump. An die Macrons und Trudeaus dieser Welt, und, falls die deutsche Kanzlerin noch einmal eine Regierung hinbekommt, an Merkel. Trump behauptete nämlich, dass es seine Politik sei, die den Vergessenen in der Gesellschaft wieder eine Stimme verleihe und ihnen Wohlstand verschaffe.

Dass die afroamerikanische Arbeitslosigkeit wie auch die hispanische in seinem Land so gering sei wie noch nie, sagte er gleich dreimal wortgleich während des Auftritts in Davos. Vor allem aber erklärte Donald Trump, der eigentlich als Held weißer Männer in den USA gilt, ganz allgemein, dass die Politik die einfachen Menschen nicht vergessen dürfe. "Wenn Menschen vergessen werden, dann wird die Welt gespalten." Man müsse den Vergessenen zuhören, so Trump. Die Größe einer Nation sei schließlich die Summe aller Bürger, ihrer Werte und Handlungen.