Manchmal möchte man verzweifeln: Seit 1970 sind die Bestände von 3.700 Wirbeltierspezies um fast 60 Prozent geschrumpft. 28 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten, welche die Weltnaturschutzunion erfasst, sind bedroht. Nur noch 29.000 Nashörner gibt es auf der Welt. Ende Januar hat Südafrika seine Statistik veröffentlicht, nach der im vergangenen Jahr 1.028 Nashörner gewildert wurden gegenüber 13 (!) vor zehn Jahren. Auch die Elefantenbestände, besonders jene der Asiatischen Elefanten und der Waldelefanten in West- und Zentralafrika, schrumpfen dramatisch. Jährlich sterben 30.000 Elefanten an Gift und Kugeln.

Nun ist die Hoffnung ein zartes Pflänzchen, und wer die Meldungen von der Wildereifront – dieser Ausdruck ist hier leider angebracht – verfolgt, den dürstet nach guten Nachrichten.

Etwa vom Rhinozeros, dessen Zukunft sich vor allem in Südafrika entscheidet, weil dort vier von fünf Nashörnern leben. Nur wenn das Land die Wildereikrise in den Griff bekommt, müssen die 50 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte dieser Spezies nicht in diesem Jahrhundert enden. Der aktuelle Verlust von 1028 Tieren liegt immerhin (leicht) unter dem des Vorjahres. Die Wilderer, die sich häufig über die Grenze von Mosambik einschleichen, tragen Sägen und Äxte bei sich, mit denen sie die Hörner aus den Gesichtern der Tiere schneiden und hacken.

Auf dem Schwarzmarkt lässt sich Rhino-Horn, das aus dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel besteht, nicht einmal mit Gold aufwiegen. Vor allem in Vietnam wird es als Partydroge konsumiert, als Wundermittel gegen Krebs und für die Potenz. Bleibt die Nachfrage so gewaltig und Horn so teuer, werden Rhinos kaum zu retten sein. Auch wenn Südafrikas Hightech-Aufrüstung und Strafverfolgung gegen die Wilderer durchaus Erfolge zeigt.

Mehr Hoffnung gibt es seit Jahresbeginn für Elefanten. Denn China, bislang global größter Konsument von Elfenbein, hat wie versprochen Läden und Werkstätten geschlossen. Schon lange war der Import verboten, gewilderte Stoßzähne wurden trotzdem weiter ins Land geschmuggelt – die dreckige, blutige Ware nämlich konnte reingewaschen werden, weil ihr Verkauf im Inland legal war.

Damit ist endlich Schluss. Artenschützer hoffen jetzt, dass dadurch auch die Wilderei in den Herkunftsländern zurückgeht. Immerhin, die Schwarzmarkt-Preise in China sind schon deutlich gesunken.

Die Beispiele stehen für viel mehr als für Poster-taugliche Arten. Großwildspezies wie Rhinozeros und Elefant gelten als Ökosystem-Ingenieure: Sie verteilen Samen und Dünger in der Savanne, sie halten Wasserlöcher offen, drücken Bäume um – bereiten den Lebensraum für unzählige kleinere Arten, die mit ihnen "co-evolviert" sind. Bei weltweiten Anstrengungen für die Zukunft von Riesen geht es also immer um die Zukunft ganzer Ökosysteme. Man könnte auch sagen: um die Welt, wie wir sie kennen.

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