Ein Club auf der Reeperbahn. Mitglieder des Rapkollektivs 187 Strassenbande stellen Graffiti und Objekte aus. Ich frage am Eingang: "Wird hier gekifft? Ich vertrage das nämlich nicht. Ich kriege Asthma."

"Gekifft wird hier gar nicht", sagt ein freundlicher Muskelberg von der Security. "Die Polizei hat sich mit Zivilbeamten angekündigt. Allein deshalb passen wir ganz genau auf."

Durchatmen.

"Aber Sie sind nicht von der Mopo, oder?"

"Nein", sage ich.

"Okay, weil die Mopo darf nicht rein."

Die Mopo darf nicht rein, weil sie im Vorfeld über die Ausstellung berichtet hatte. "Gangster-Kunst auf dem Kiez" stand über dem Artikel, das gefiel den Veranstalterinnen nicht. Crispy und Xuli, die eine Doktorandin an der HFBK, die andere Designerin. "Wir machen hier nicht die übliche Nummer mit Frauen in kurzen Röcken und Männern mit Kohle", sagt Xuli.

Rapper Jaill © Maximilian Probst für DIE ZEIT

Crispy: "Kein Rassismus an der Tür, kein Sexismus drinnen. Wir wollen gerade nicht kommerziell sein, und das in einer der kommerziellsten Ecken der Stadt."

Verstehe. Da passt dann die Stilisierung von Rappern und Sprayern als Gangster nicht so richtig ins Bild. Aber war das nicht das Image der 187er? Allein der Name: 187 ist der Paragraf für Mord in der amerikanischen Gesetzgebung. Sind sie nicht doch vielleicht gefährliche Subjekte aus Hamburgs Halbwelt?

Mit bürgerlichen Vorurteilen kommt man nicht weit an diesem Abend. Der Sprayer Wesh zum Beispiel, 22 Jahre alt. Höflich bittet er einen, einen Schal umlegen zu dürfen. Man ist in dieser Szene zugleich scheu und aufmerksamkeitsgierig wie ein englischer Royal. Wesh hat Sneakers mit dem 187-Logo besprüht. Sehr lässig, der Look etabliert sich sicher bald auf Instagram.

Graffiti-Bild von Wesh © Maximilian Probst für DIE ZEIT

Oder Jaill: sieht aus wie ein Boss-Model, wäre da nicht die große Zahnlücke, aber auch die könnte stilprägend werden. Sein Rap: schnell, exzellent gereimt, ein Nachwuchstalent mit dem lyrischen Punch eines Wolf Wondratschek.

Ist es wichtig, welche Milieuhintergründe die soziale Kulisse bilden? Oder ist es nicht wichtiger, dass hier zwei Künstlerinnen die Machokultur des Hip-Hop mit feministischer Coolness vermitteln?

"Wo dürfen wir rauchen?", fragt artig ein Junge, gestylt im zurzeit angesagten Look der französischen Banlieue (Trainingsanzug, Basecap, Umhängetasche mit Gurt quer über der Brust).

Sprayer und Maler Wesh © Maximilian Probst für DIE ZEIT

"Müsst ihr rausgehen", sagt ein Mann vom Sicherheitspersonal, der sich an der Bar aufwärmt.

"Sie haben das im Griff hier", sage ich. Security-Mann: "Die sehen, ich bin mindestens 50 und schon ewig dabei. Das respektieren die."