Lesen Sie hier das türkische Original. Der Text ist für die deutsche Version redaktionell leicht bearbeitet worden.

Als ich in Steven Spielbergs neuem Film Die Verlegerin sah, was der Washington Post widerfuhr, als sie druckte, wie die US-Regierung das Volk im Vietnamkrieg belog, dachte ich unwillkürlich an das, was meiner Zeitung Cumhuriyet geschah, als sie die Lügen der türkischen Regierung über ihre Waffenlieferungen nach Syrien aufdeckte. Was meine Kollegen bei der Washington Post vor einer Generation erlebten, erleben wir jetzt in gleicher Weise.

Wie dreist sich Regierungen hinter der Ausrede eines "Staatsgeheimnisses" verbergen, um ihre Lügen zu verschleiern, ist in zwei Szenen zu sehen. Wenn Nixon im Oval Office brüllt: "Was diese Journalisten tun, ist Landesverrat. Stoppt die Veröffentlichung, leitet Ermittlungen ein!", sehen wir einen Politiker, der heute Erdoğan inspiriert. Die Ähnlichkeit der US-Staatsanwälte, die dem Chefredakteur der Post mit Haft drohen, mit den türkischen Staatsanwälten, die uns verhafteten und lebenslang hinter Gitter bringen wollten, ist uns Mahnung.

Wenn wir sehen, wie die Journalisten sich trotz Drucks, Drohungen und Risiken für die Wahrheit einsetzen und zu ihrer Berichterstattung stehen, denken wir an unsere Kollegen, die heute unter massivem Druck den Kampf für die Wahrheit führen. Wir wissen, dass Drangsalierung ein unvermeidlicher, notwendiger Teil des seit Jahrhunderten geführten Kampfes für Redefreiheit ist.

Natürlich gibt es zwischen den Fällen Washington Post und Cumhuriyet neben etlichen Ähnlichkeiten auch erhebliche Unterschiede: Unser Film ist noch nicht beim Happy End der Post angelangt.

Daran haben zwei wesentliche Elemente Anteil: Erstens gibt es in der Türkei keine unabhängigen Richter mehr, die ein Grundsatzurteil wie "Die Presse dient nicht den Regierenden, sondern den Regierten" unterzeichnen könnten. Hätte die US-Justiz der Siebziger unter dem Befehl der Regierung gestanden, wie heute die der Türkei, wäre die Geschichte anders geschrieben worden. Das ist der wichtigste Beleg dafür, dass es ohne Rechtsstaat und Gewaltenteilung keine Pressefreiheit geben kann.

Der zweite Unterschied besteht darin, dass die Solidarität, die andere US-Medien der Washington Post bewiesen, der Cumhuriyet vorenthalten blieb. Im Gegenteil, der Hauptangriff kam gerade von Medien "im Dienst der Regierenden". Das erklärt, warum Erdoğan sich vor der Präsidentschaft dafür entschied, Medienpatron zu werden. Wie es auch Trumps aktuelle Attacken gegen die Medien erklärt.

An eines lässt der Film Die Verlegerin noch denken: Die Cumhuriyet wird von einer unabhängigen Stiftung herausgegeben. Sie hat also keinen Chef. Dementsprechend haben auch die "Freunde des Chefs" keine Chance, in die Publikationspolitik der Zeitung einzugreifen. Der Film zeigt einmal mehr, dass die Unabhängigkeit der Medien so existenziell ist, dass sie nicht dem Wohlwollen eines Herausgebers überlassen werden kann.

Die "Pentagon Papers" bereiteten das Ende einer Regierung vor, die das Volk belog, und konsolidierten den Ruf einer Zeitung, die die Wahrheit aufdeckte. Die Cumhuriyet dagegen ist heute eine Zeitung, deren Leitung inhaftiert ist, weil sie eine das Volk belügende Regierung entlarvte.

Als ich aus dem Kino kam, schwebte mir unwillkürlich vor, wie in fünfzig Jahren verfilmt wird, was die Cumhuriyet heute erlebt.

Immerhin lebt keine Lüge länger als die Wahrheit.

Die Geschichte der Presse weist Hunderte Beispiele dafür auf, dass die Verfechter der Wahrheit schlussendlich jene, die sie zu verschleiern suchen, beseitigen.

Und das ist auch gut so.

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe