Algorithmen und Roboter sind verantwortlich für den Aufstieg des Populismus. Sie sind die Ursache für schwere politische und soziale Verwerfungen in praktisch allen westlichen Gesellschaften. Das ist die These, die Benedikt Frey jüngst in einem Artikel in der ZEIT formulierte. Doch das ist allzu simpel gedacht. Beim Versuch, den Populismus zu erklären, verfällt Frey selbst in eine populistisch vereinfachende Argumentation.

Die Basis seiner Überlegungen sind die Ergebnisse einer Studie, die er zusammen mit Michael Osborne verfasst hat. Danach werden digitale Technologien absehbar 47 Prozent aller Jobs in den USA entbehrlich machen, was zu massiven Problemen führen soll. Die neue Technologie als Ursache sozialer Missstände – auf den ersten Blick scheint das einleuchtend. Doch Frey übersieht, dass die Anwendung neuer Technik ihrerseits zutiefst von ökonomischen, sozialen und politischen Prozessen geprägt wird. Die bloße Existenz smarter Roboter und intelligenter Algorithmen etwa führt nicht zwangsläufig zu Arbeitsplatzverlusten, Einkommenssenkung und Dequalifizierung. Entscheidend ist, wie diese technologischen Potenziale in Unternehmen tatsächlich genutzt werden.

Zudem zeigte bereits der Innovationsforscher Joseph Schumpeter, dass zwischen der Innovation, der Diffusion und der Anwendung einer neuen Technologie Welten liegen. Das weckt erhebliche Zweifel an einer technikdeterministischen Argumentation à la Frey. Studien, wonach die mögliche Verwendung computergesteuerter Roboter eine eindeutig zu prognostizierende Zahl von Jobs ersetzen wird, ist daher mit größter Skepsis zu begegnen. Dies gilt auch für die erwähnte 47-Prozent-These von Frey und Osborne.

Eine Vielzahl von Studien belegen, dass in Deutschland und in den USA der Einsatz ähnlicher Automatisierungstechnik völlig unterschiedliche Folgen haben könnte.

Besonders problematisch ist der Gedanke, diese These treffe für Volkswirtschaften wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland gleichermaßen zu. Die wirtschaftlichen und beschäftigungspolitischen Bedingungen dieser Länder sind zu unterschiedlich. Eine Vielzahl von Studien belegen, dass in Deutschland und in den USA der Einsatz ähnlicher Automatisierungstechnik völlig unterschiedliche Folgen haben könnte. So lässt sich Benedikt Freys These, dass die Mittelschichten vom Abstieg bedroht seien und damit die Unterschiede zwischen "Oben" und "Unten" größer würden, kaum generalisieren.

Politik und Gesellschaft können den Wandel gestalten

Schließlich ist Freys Argumentation, wie generell populistische Auffassungen, von Geschichtsvergessenheit geprägt. So befinden sich die westlichen Gesellschaften gegenwärtig nicht nur in der Phase einer vierten industriellen Revolution, sondern sie erleben seit Jahrzehnten ständige technologische Revolutionen. Ähnlich wie heute entstanden dabei immer wieder Ängste vor Arbeitslosigkeit und sozialen Umbrüchen. Allein die in den 1960ern beginnende Verbreitung von Computertechnologien führte damals zu geradezu dystopischen Prognosen. So befürchtete der Spiegel im April 1964, dass in Zukunft Fabriken durch den Einsatz von "Elektronikrobotern" menschenleer sein und massiv Arbeitsplätze wegfallen würden.

Allein die Prognosen bewahrheiteten sich nicht. Zwar wurden oft kurzfristig Arbeitsplätze durch Automatisierung überflüssig, jedoch wurde dies stets durch die Entstehung neuer Jobs kompensiert. Nichts spricht dagegen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Denn nicht Automatisierung bestimmt das Verhältnis von Mensch und Maschine. Sondern die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, wie diese Technik eingesetzt wird. Anders formuliert: Letztlich tragen Menschen die Verantwortung für die Verteilung von Arbeit, Einkommen und Wohlstand. Daher darf nicht nur von den Risiken des technologischen Wandels gesprochen werden. Sondern auch über die Chancen, diesen Wandel sozial zu gestalten.