Noch drei Wochen, und sie könnten am Ziel sein – das alte System gesprengt, die politische Klasse vertrieben, die Bewegung an die Macht geführt haben. Und dann?

"Dann gibt es wieder eine Vision für die Zukunft Italiens", sagt die junge Aktivistin.

"Dann werden Gesetze für Menschen gemacht und nicht für Banken", sagt die Bezirkspräsidentin.

"Dann bringen wir Stabilität in dieses Land", sagt der Spitzenkandidat.

Die Fünf-Sterne-Bewegung ist auf dem besten Weg, stärkste politische Kraft Italiens zu werden. "Wir werden an die Regierung kommen", hatte ihr Gründer, der Komiker Beppe Grillo, schon vor Jahren ausgerufen, "und sie werden sich fragen: Wie haben die das bloß gemacht?"

Ja, wie nur?

Rom

In Rom fragen sie sich das schon lange. Sie: Das sind die anderen, die Feinde, die Kritiker, die Politiker, das Establishment, all jene, die Grillo "einen Berg Scheiße" nennt, "Arschgesichter", "alte Hure", "Zombie", "Transvestit", "Scheintoter", "Killer", "Psychozwerg", "Container voll Dünnschiss", die "Alzheimer" haben oder "keine Prostata". Er schrie ihnen entgegen: "Vaffanculo!", und meinte: "Schert euch zum Teufel!" – damit fing es an.

Über zehn Jahre ist es her, dass Beppe Grillo eine Bewegung formierte, wie es sie kein zweites Mal gibt in Europa. Entstanden in seinem Blog, als virtueller Treffpunkt der Frustrierten, wurde sie 2007 hinausgetragen in die reale Welt, auf Straßen und Plätze, wo sich Hunderttausende zusammenfanden zu Protesten gegen Korruption und vorbestrafte Abgeordnete. Silvio Berlusconi, damals kurz davor, zum dritten Mal italienischer Ministerpräsident zu werden, verkörperte all das, wogegen sie anschrien. Längst hat sich die Bewegung organisiert, ist eingezogen in Kommunal- und Regionalparlamente, stellt Bürgermeister, auch den von Rom, Virginia Raggi, erste Frau im Amt.

Raggi hatte sich auf die Bewerberliste der Fünf Sterne für die Bürgermeisterwahl setzen lassen. Die küren ihre Spitzenkandidaten durch Mitgliederbefragungen im Internet. Für den Sieg reichten Raggi 1764 virtuelle Befürworter. Nun regiert sie eine Stadt mit 3,5 Millionen Einwohnern. Es waren vor allem die Stimmen aus den Vorstädten, auf die sie zählen konnte. Bei der Stichwahl 2016 gewann Raggi 13 der 15 Bezirke Roms, allesamt Außenbezirke. Und noch immer sind die Fünf Sterne besonders beliebt in der Peripherie, dort, wo große Politik selten gastiert.