Klaus-Michael Kühne wird alleiniger Großaktionär. Und weil er es geschafft hat, aus dem mittelständischen Unternehmen Kühne + Nagel eine Weltfirma zu machen, glaubt er offenbar am besten zu wissen, wie man aus dem dahinrumpelnden HSV eine weltweit bekannte und beliebte Marke macht. Er will die Konditionen bestimmen. Und seine Leute einsetzen. Beides gelingt.

Die Konditionen: Die Initiatoren der Ausgliederung rechneten mit einem Gesamtwert der HSV AG von bis zu 400 Millionen Euro. Wenn 25 Prozent der Anteile verkauft werden könnten, ergäbe das 100 Millionen Euro – ungefähr so viel, wie der HSV Schulden hat. Doch Kühne gefällt diese Gleichung nicht. Gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern von KPMG rechnet er den Wert der Profifußball-Abteilung runter und kauft schließlich im Januar 2015 für 18,75 Millionen 7,5 Prozent der Anteile. Die gesamte AG ist damit 250 Millionen Euro wert. In den nächsten Jahren werden Klein-Aktionäre einen Teil der verbleibenden 17,5 Prozent kaufen. Und auch Kühne wird weitere Aktien erstehen.

Die Leute:

Der Vorsitzende des neuen Aufsichtsrates ist ein enger Vertrauter Kühnes. Karl Gernandt hatte bislang in seiner beruflichen Laufbahn mit Fußball so viel zu tun wie der HSV mit Spitzenleistungen. Er qualifiziert sich dadurch, dass er in Kühnes Firma Präsident des Verwaltungsrates ist.

Der Vorstandsvorsitzende ist ein Held aus vergangenen Tagen, den Kühne unterstützt. Dietmar Beiersdorfer, der als Innenverteidiger 174 Spiele für den HSV bestritt und zwischen 2002 bis 2009 als Sportchef einige lukrative Transfers für den Verein tätigte (Spitzname: Dukaten-Didi), soll im sportlichen Bereich aufräumen und für Erfolge sorgen.

Den Trainer Mirko Slomka findet Kühne schlecht, was er öffentlich kundtut: "Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube." Nach drei Spielen entlässt ihn Beiersdorfer.

Bei Bayern München haben die drei Aktionäre Adidas, Allianz und Audi jeweils einen Abgesandten im Aufsichtsrat. Deren Stimmen haben Gewicht, aber sie gleichen sich in ihren Interessen aus. Beim HSV gibt es nicht drei Aktionäre mit gleich großem Einfluss. Es gibt nur einen. Der sich immer wieder einmischt.

Folge 2: Der Mäzen baut seine Macht aus

Die Saison 2014/2015 beginnt, die Fans sind euphorisiert. Es gibt neue Hoffnungsträger auf dem Platz! Kühne hatte im Sommer über sein Investment in den Verein gesagt: "Ich fände es gut, wenn das Geld verwendet würde, um Lasogga zu halten." Pierre-Michel Lasogga ist ein Stürmer, der ausgeliehen war und dem HSV in der letzten Saison den Klassenerhalt gerettet hatte. Beiersdorfer hört auf den Mäzen und verpflichtet Lasogga für eine Ablösesumme von 8,5 Millionen Euro. Kurz danach holt Beiersdorfer noch einen Spieler nach Kühnes Geschmack: Lewis Holtby, ein wendiger Mittelfeldspieler, soll Bälle erkämpfen und schöne Pässe spielen. Sein Gehalt ist absolute Spitzenklasse in der Bundesliga: 3,5 Millionen, mit Prämien über 4 Millionen.

Nur bringen die Neuzugänge keine Spitzenklasse auf den Platz. Der HSV gurkt sich von Spiel zu Spiel. Erst am sechsten Spieltag schießt die Mannschaft ihr erstes Tor. Der erste Trainer Mirko Slomka ist da schon gefeuert. Zwei weitere werden im Laufe der Saison noch ausgetauscht, bis es Bruno Labbadia schließlich gelingt, den Verein in der Bundesliga zu halten.