Eindeutig wäre die Sache, wenn sie weiter dem jetzigen Präsidenten Jens Meier vertrauten. Meier hat in den letzten Jahren immer offener gegen Klaus-Michael Kühne agiert. Er würde wohl versuchen, den Einfluss des Mäzens weiter einzudämmen. Mit Andreas Peters, Heribert Bruchhagen und Jens Todt hätte er Funktionäre an seiner Seite, die ihn dabei unterstützen. Und Meier könnte einen Deal einfädeln, der die Abhängigkeit von Kühne verringerte. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Mann, der im Hauptberuf Chef des Hamburger Hafens ist, in Hamburgs Partnerstadt Shanghai mit Vertretern der Shanghai International Port Group sprach. Es ging dabei auch um die Verlängerung einer bestehenden Kooperation mit dem HSV. Würden sich die Chinesen mit einem größeren Betrag an der HSV AG beteiligen oder großer Sponsor werden, wären sie finanziell das erste ernst zu nehmende Gegengewicht zu Klaus-Michael Kühne, der mittlerweile 20,57 Prozent der Anteile besitzt.

Würde Kühne sich das gefallen lassen? Würde er sich über den Einstieg der Chinesen vielleicht sogar freuen? Oder würde er um seinen Einfluss bangen und mit noch härteren Mitteln gegen seine Widersacher im Verein vorgehen? Das sind die Themen, die in der nächsten Staffel der HSV-Serie aufgeworfen würden, wenn Meier Präsident bliebe.

Unvorhersehbar ist, was nach der Wahl Bernd Hoffmanns geschehen würde. Hoffmann war schon einmal wichtig im Verein, zwischen 2003 und 2011 saß er dem Vorstand vor, als der Ärger noch groß war, wenn die Mannschaft sich nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizierte. Jetzt will der Rückkehrer der neue Hoffnungsträger sein. Wenn die Mitglieder ihn wählten – wovon die meisten Beobachter ausgehen –, muss er sich rasch positionieren: Ist er für oder gegen den Mäzen?

Mit Bernd Hoffmann und Klaus-Michael Kühne würde die nächste Staffel der HSV-Serie noch dramatischer werden.

Hoffmann hätte zwei Möglichkeiten:

Er könnte mit Kühne paktieren und planen, den HSV gemeinsam mit dem Mäzen zu retten. Hoffmann hätte dann finanziell bessere Möglichkeiten, weil er mit den Millionen des Mäzens planen könnte. Das würde Fans, Medien und die Mannschaft befriedigen. Die Frage wäre nur: Lässt sich Hoffmann von Kühne die Bedingungen diktieren, oder folgt Kühne den Anweisungen Hoffmanns?

Weil das hart ausgefochten werden müsste, könnte Hoffmann versucht sein, einen ganz anderen Weg zu gehen: Er könnte sich mit den Gegnern des Mäzens verbünden und den HSV neu aufstellen, ganz neu, ohne den reichen Finanzier. Gelingt ihm das, wäre er der neue starke Mann im Club.

Allerdings hätte er ein Problem: Ihm fehlten für diesen Schritt die nötigen Millionen. Glaubt man den Gerüchten, arbeitet Hoffman gerade daran, das zu ändern. Er soll, wie Jens Meier, in Verhandlungen mit einem potenziellen Investor stehen.

Dass er weiß, wie die Arbeit mit so einem Geldgeber beim HSV aussehen kann, hat er in seiner ersten Amtszeit gezeigt.

Letzte Rückblende in dieser Staffel:

Im Jahr 2008 initiierte Bernd Hoffmann ein Projekt, er nannte es "Anstoß 3". Die Idee dahinter war, dass drei Investoren über einen Fonds direkt an Transfers von Spielern beteiligt werden sollten, ohne dass sie ein Vetorecht bei der Wahl der Spieler besitzen. Der einzige Mann, der sich zwei Jahre später, im Jahr 2010, dazu bereit erklärte, ist auch heute beim HSV noch wohlbekannt. Er heißt Klaus-Michael Kühne.