Fünf Jahre lang ging alles gut, wo nichts gut ist. Im syrischen Krieg schob der Iran systematisch seine Bauern, Hisbollah, vor, um unter der Hand eine militärische Option gegen Israel im Norden aufzubauen. Israel bombardierte im Gegenzug die Waffen-Konvois der "Partei Gottes". Mit Moskau hatte Jerusalem einen Deal: In Ruhe lassen wir eure Jets, die Assads Feinde dezimieren; ihr gebt uns freie Hand gegen Irans Dienstleister. Eine Hotline sollte Kollisionen verhindern; zwischen den Kraftmenschen Netanjahu und Putin erblühte geradezu eine Liebesaffäre. Derweil Israel neutral blieb, konzentrierten sich die Amerikaner auf den IS im Osten. Jeder hatte seinen Auslauf.

Vorbei. Die Perser haben das Schachspiel erfunden; am Wochenende rüttelten sie erstmals am Brett, als sie mit einer Kampfdrohne tief ins israelische Kernland vorstießen, um die Folterwerkzeuge zu zeigen. Die Syrer schossen eine israelische F-16 ab, und die Israelis schlugen heftig zurück: gegen die iranische Leitstelle und vier weitere "iranische militärische Ziele". Der größte Luftangriff seit 1982 zerstörte die Hälfte der syrischen Flugabwehr.

Droht nun der Krieg zwischen Israel und dem Iran, den Hauptmächten in Nahost, die unter dem Schah beste Freunde waren? Fest steht nur, dass Teheran mit seiner Drohne die ungeschriebenen Spielregeln verletzt und Israel nachgezogen hat. Bislang galt: Der Iran benutzt nur seine Stellvertreter, Israel nur verdeckte Mittel, um die direkte Konfrontation zu vermeiden. Doch gibt es im Krieg keinen Status quo, nicht jetzt, wo der Dreibund Iran-Syrien-Russland auf der Siegerstraße in Syrien ist.

So mancher Krieg in Nahost ist ausgebrochen, weil die Prinzipale ein "Angsthasen-Spiel" aufgezogen hatten: Ich provoziere, du weichst in letzter Sekunde zurück. Dennoch gilt, dass keiner den Krieg will, jedenfalls nicht heute. Putin will nicht, weil er bisher mit wenig Risiko zur Königsfigur auf dem Brett avancieren konnte. Der Iran will den Krieg nicht, weil er 1500 Kilometer weit weg und Israel in der Levante militärisch überlegen ist. Außerdem braucht es Zeit, um in acht, zehn Jahren eine Option auf die Atombombe ziehen zu können.

Die Handlanger von Hisbollah? Sie haben zwar Abertausende von Raketen angehäuft, aber im letzten Waffengang (2006) gelernt, dass Israels Luftwaffe (IAF) ihre Machtbasis im Libanon nach einem Raketenangriff zertrümmern würde. Hisbollah-Chef Nasrallah hat damals gestanden, er hätte den Krieg nie begonnen, wenn er den Preis gekannt hätte. Assad weiß wohl, dass die IAF in nur 24 Stunden Tausende von syrischen Zielen zerstören könnte, was ihm keine lichte Zukunft verheißt. Israel will den Krieg nicht entfesseln, sondern die Iraner abschrecken und Russland dazu ermuntern, diese zur Räson zu rufen. Jede Attacke auf Russen wurde peinlichst vermieden. Vorsichtshalber hat Jerusalem auch keine "roten Linien" gezogen, die automatische Eskalation beinhalten.

Der nächste Zug liegt bei Putin. Er weiß, dass Israel es nicht bei taktischen Schlägen belassen wird, wenn der Iran sich eine strategische Option im Norden verschafft. Überdies sind Teheran und Moskau Rivalen um die Vorherrschaft, und Israel ist das einzig effektive Gegengewicht gegen Irans Expansionismus. Trump wird seine Hände-weg-Politik revidieren und diplomatischen Druck aufbauen. Er kann neben Afghanistan und dem Irak keinen dritten Krieg in Mittelost gebrauchen.