Ein Morgen Mitte Februar, kurz vor acht Uhr: Dicke Flocken fallen vom Himmel, auf Fußwegen und parkenden Autos liegt im Nu eine dünne Schneedecke. Schulkinder jauchzen. "Wieso feiern wir Weihnachten nicht jetzt, mit Schnee!?", ruft ein Junge. Ja, warum eigentlich nicht? Allein die Chance auf weiße Weihnachten in Hamburg spräche dafür: Statistisch etwa alle sieben Jahre gibt es Ende Dezember einen Wintereinbruch, im Februar kommt das häufiger vor.

Spätere Weihnachten würden den Last-Minute-Stress bei den Geschenken, Verwandtenbesuchen, Arbeiten-die-unbedingt-vor-Weihnachten-erledigt-werden-müssen entzerren. Auch der triste Januar wäre mit Weihnachtsbeleuchtung leichter zu ertragen. Der Einzelhandel, bekannt dafür, schon im August erste Lebkuchen und Dominosteine in die Regale zu räumen, wäre entzückt, die umsatzstärkste Jahreszeit bis in den Februar ausdehnen zu können. Wir gehen dabei davon aus, dass die Adventszeit beginnt wie immer und sich die Zeit zwischen dem vierten Advent und Weihnachten genüsslich strecken würde. Bis zum ersten Weihnachtstag am – sagen wir – 12. Februar. Ein Tag, der dieses Jahr zwar auf den Rosenmontag fiel. Den kennt in Hamburg aber sowieso fast niemand.

Aber natürlich, da war noch was. Weihnachten ist mehr als Konsum und Kommerz. Mehr als die Familie endlich mal wieder ohne Facetime und WhatsApp sprechen zu können. Richtig, wir feiern die Geburt Christi. Und Kirche und Gläubige haben sich seit geraumer Zeit, genauer seit dem Jahr 336, auf den 25. Dezember als kirchlichen Feiertag eingestellt. Wie es zu diesem Datum kam, ist unklar, gottgegeben ist es jedoch nicht. So feiern die meisten orthodoxen Christen Jesu Geburt am 7. Januar. Aber man könnte, die Kirchen haben es heute schwer genug, Weihnachten natürlich auch am 25. Dezember belassen – und einfach die Nachweihnachtszeit verlängern. Wie die Einwohner der Färöer-Inseln, sie tanzen am 13. Januar den Weihnachtskehraus. Finden Sie nicht gut? Dann sei Ihnen verraten: Früher dauerte auch bei uns die Weihnachtszeit länger, nämlich immerhin bis Mariä Lichtmess, dem Fest der "Darstellung des Herrn" am 2. Februar. Erst dann flog der Christbaum aus dem Wohnzimmer.