Der deutsche Schachweltmeister Emanuel Lasker (1868 bis 1941) sah Schach als Spiegelbild des Lebens: als Kampf, bei dem man nicht unbedingt die objektiv besten Züge finden muss, sondern die für den Gegner unbequemsten. Er konnte schlecht, ja sogar auf Verlust stehen und dann doch oft sein Gegenüber mit überraschenden Zügen verwirren und so "beschwindeln".

Daran musste ich denken, als ich von Roland Stuckardt den Schach-Essay Too clever is dumb ("Zu klug ist töricht") mit dem Untertitel "Kleine Philosophie des Schwindelns" las. Die Devise hierbei lautet: Kenne deinen Gegner! Dann kann man bisweilen suboptimal spielen und darauf spekulieren, dass dieser in einer ihm unangenehmen Stellung fehlgreift. Natürlich steigt die Erfolgsaussicht spekulativen Spiels bei schlechterer Stellung, je geringer die Spielstärke des Gegners ist und je weniger Bedenkzeit dieser noch hat.

Stuckardt illustriert seine Gedanken mit einer Partiestellung der Computerschach-WM 1977 in Toronto zwischen dem amerikanischen Programm Duchess und dem sowjetischen Kaissa. Letzteres reagierte auf das weiße Schachgebot zu allseitiger Überraschung mit 1...Te8?!, obwohl dies einfach einen Turm verlor. War dies auch "objektiv" der beste Zug, weil es das Partieende hinauszögerte, so kann man einem Menschen nur zum objektiv zweitbesten 1...Kg7 raten, weil es die weiße Aufgabe ungleich schwerer macht. Was befürchtete Kaissa darauf?

Lösung aus Nr. 7:

Wie setzte Weiß in drei Zügen matt? Nach dem Damenopfer 1.Dg8+! gab Schwarz auf, weil 1...Kxg8 2.Ld5++! (Doppelschach!) Kf8 (oder Kh8) 3.Tg8 matt ist. Hingegen wäre 1.Le4? Tg6! wegen 2.Dxe7 Dxg1 matt oder 2.fxg6 Lxg5 verloren gewesen