Frage: Herr Sternberg, das Motto des Katholikentages 2018 lautet "Suche Frieden". Geht das auch mit der AfD?

Thomas Sternberg: Unser Leitwort lässt sich als Imperativ verstehen wie als persönliches Bekenntnis: "Ich suche Frieden". Biblisch ist Frieden mit Gerechtigkeit verknüpft, das hat eine erhebliche politische Brisanz. Insofern ist es auch ein guter Ansatz, um über die vielen historischen Ereignisse nachzudenken, an die wir uns 2018 erinnern – zumal in Münster, der Stadt des Westfälischen Friedens.

Frage: Jetzt haben Sie die AfD bei Ihrer Antwort ausgelassen.

Sternberg: Ich halte diese Partei nicht für so wichtig. Es gibt sie, damit muss ich leben.

Frage: Nicht so wichtig? Die Partei wird voraussichtlich die größte Oppositionspartei im Bundestag sein. Außerdem wurde das ZdK vor zwei Jahren heftig dafür kritisiert, dass die AfD beim Katholikentag in Leipzig nicht vertreten war.

Sternberg: Das Thema war in Leipzig wegen Legida, Pegida und dem Erstarken des Rechtspopulismus von großer Bedeutung. Außerdem entstand die irrige Wahrnehmung, wir würden als Katholikentag eine Partei ausladen. Die Wahrheit ist: Wir haben noch nie eine Partei ein- oder ausgeladen, sondern immer Personen, die für ein Thema stehen. In Münster wird es ein Podium mit einem AfD-Vertreter geben. Es wird eine Veranstaltung mit allen kirchenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen sein, also auch mit der AfD.

Frage: Genau. Die Sprecher kommen nicht als Privatpersonen, sondern als Vertreter ihrer Parteien.

Sternberg: Trotzdem laden wir nicht die Partei ein, sondern nur ihren kirchenpolitischen Sprecher – genau wie die der anderen Fraktionen.

Frage: Diese feingeistige Unterscheidung versteht doch keiner. Es wird haften bleiben: Die AfD ist beim Katholikentag.

Sternberg: Dass bei einer unserer vielen Veranstaltungen der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion sitzen wird, ist für mich keine sensationelle Meldung.

Frage: Sie haben Hausrecht. Sie hätten ihn auch einfach nicht einladen können.

Sternberg: Haben wir aber nicht getan. Die AfD darf keine Gelegenheit bekommen, sich als Märtyrer zu inszenieren.

Frage: So wie 2016 in Leipzig. War es aus heutiger Sicht ein Fehler, Parteivertreter nicht einzuladen?

Sternberg: Nein, es war eine andere Zeit, eine andere Stadt, und die AfD saß nicht im Bundestag. Ich halte die Entscheidung noch heute für richtig. Und nochmals: Es geht um die kirchenpolitischen Sprecher der Fraktionen, nicht "Parteienvertreter", die wir nicht einladen.

Frage: Der kirchenpolitische Sprecher der AfD heißt Volker Münz. Kennen Sie ihn?

Sternberg: Nein.

Frage: Haben Sie und das ZdK sich vorab über seine politische Vita informiert?

Sternberg: Nein, bis jetzt noch nicht.

Frage: Volker Münz sitzt als engagierter Christ im Gemeinderat seiner Gemeinde in Göppingen. Außerdem ist er nach eigenen Angaben Mitglied eines Tempelritter-Ordens. Und Unterzeichner der Erfurter Resolution, er gehört also dem national-konservativen Kreis um Björn Höcke an.

Sternberg: Mag sein.

Frage: Und mit dem können Sie sich vorstellen, ein gutes Gespräch zu führen?

Sternberg: Bislang hatte ich noch keine Zeit, mich um alle Podien und geladenen Gäste zu kümmern. Und auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Ich nehme die AfD nicht so wichtig. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir dieses Jahr in Münster keine vergleichbare Fixierung auf ein Nebenthema beobachten müssen.

Frage: Wurde nach Leipzig über die Einladungspraxis intern diskutiert?

Sternberg: Einige ZdK-Mitglieder sagten: Gebt diesen Kräften kein Megafon, die haben auf dem Katholikentag nichts verloren. In der Sache herrschte aber Konsens, dass wir diese Veranstaltung machen werden.

Frage: So viel Frieden ist überraschend nach der Vorgeschichte.

Sternberg: Finden Sie? Intern waren wir immer einig, dass uns die Menschen, die diese Partei wählen, wichtig sind, die Partei selber nicht.