Wissen Sie, liebe Leser, wie viele Haushalte in Deutschland mehr Geld zur Verfügung haben als Ihr eigener Haushalt? Und wissen Sie, wie viele Haushalte in Deutschland mehr Vermögen haben als Ihrer?

Genau diese Fragen haben wir den Bundesbürgern in unserer Umfrage gestellt, um herauszufinden, wie gut sie ihre eigene Position in der Einkommens- und Vermögensverteilung einschätzen. Die Verteilung zu kennen und sich selbst darin verorten zu können ist nämlich wichtig. Es hilft Menschen, die eigenen ökonomischen Interessen zu identifizieren. Und es beeinflusst ihre Einstellungen zu Umverteilung und Ungleichheit als Staatsbürger und Wähler. Das ist etwa dann wichtig, wenn es um die Frage geht, ob jemand für höhere Steuern auf Einkommen oder Vermögen ist. Die Antwort darauf hängt auch davon ab, ob man sich für reich und vermögend hält – oder eben nicht.

Um die eigene Position einzuschätzen, muss man wissen, wie viel Vermögen und Einkommen die anderen Haushalte zur Verfügung haben. Stellen Sie sich dafür vor, dass alle Haushalte nach der Höhe ihres jährlichen Nettoeinkommens sortiert werden, an erster Stelle der Haushalt mit dem geringsten Einkommen und an letzter Stelle der Haushalt mit dem höchsten Einkommen. (Mit dem Nettoeinkommen sind alle Einkünfte eines Haushalts nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen gemeint.) Wo würden Sie sich in einer solchen Rangliste verorten?

Die Fakten lauten so: Damit man in Deutschland in der Mitte dieser Rangliste landet, damit also genau die Hälfte der Haushalte mehr verdient und die andere weniger, muss man als Haushalt ein Nettoeinkommen von 23.900 Euro im Jahr haben. Wenn ein Haushalt 39.600 Euro verdient, haben nur noch 20 Prozent der Haushalte mehr und 80 Prozent weniger. Mit 50.300 Euro haben dann nur noch 10 Prozent der Haushalte mehr Einkommen und 90 Prozent weniger. Am unteren Ende der Einkommensverteilung sieht es so aus: Haushalten, die 9.600 Euro im Jahr zur Verfügung haben, stehen mehr als 10 Prozent aller privaten Haushalte gegenüber, die noch weniger bekommen, und weniger als 90 Prozent der übrigen Haushalte, die mehr bekommen.

Betrachtet man nun das Vermögen, so reicht es sogar, wenn ein Haushalt ein Nettovermögen von null hat, um die Schwelle der ärmsten 10 Prozent zu überschreiten. Die unteren 10 Prozent haben nämlich ein negatives Nettovermögen. Nettovermögen heißt: Vom Vermögen (zum Beispiel Häuser oder Geldanlagen) werden die Schulden (zum Beispiel Hypotheken oder Kredite) abgezogen. In der Mitte der Vermögensverteilung liegt ein Haushalt mit einem Nettovermögen von 60.400 Euro, mit 261.080 Euro sind nur noch 20 Prozent der Haushalte reicher. Ab einem Vermögen von 468.000 Euro gehört man zu den vermögendsten 10 Prozent in Deutschland.

23.900 Euro netto verdient der mittlere Haushalt in Deutschland.

Hätten Sie mit Ihrer Selbsteinschätzung richtig gelegen? Falls nicht, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Unsere Umfrage zeigt, dass die meisten Menschen in Deutschland ihre Lage schlecht einschätzen. Die einen schätzen sich zu reich, die anderen schätzen sich zu arm ein. Im Durchschnitt liegen die Einschätzungen der Teilnehmer zu ihrer Position bei der Einkommensverteilung rund 24 Prozentpunkte daneben und bei der Vermögensverteilung gar um 26 Prozentpunkte.