Kleinmachnow, neunhundert Meter vor Berlin. Eine Auffahrt führt über ein parkähnliches Grundstück zum Portal einer herrschaftlichen Villa. Anis Ferchichi, besser bekannt als Bushido, öffnet und begrüßt seine Gäste mit Handschlag: "Willkommen in meinem neuen Zuhause, schön, Sie zu sehen, ich muss Sie nur bitten, die Schuhe auszuziehen – der empfindliche Holzboden, Sie verstehen."
Ferchichi, Dichter von Zeilen wie "Vorgarten, Eigenheim und Kitagutschein – Doch ich fick zu viele Mütter, um ein Spießer zu sein – Um mich mitzuteil’n brauch ich keine Fotzen von der Telekom – Ich press Hass-Predigten auf CD-ROM" ist wohl immer noch Deutschlands berüchtigtster Rapper. In der Diele bücken seine neuen Nachbarn sich jetzt nach ihren Schnürsenkeln: Dr. Michaela Hösl, 48, zwei Kinder, in ihrem Haus gegenüber führt sie eine Praxis für Alternative Heilmethoden. Andreas Schramm, 58, Rechtsanwalt mit zwei volljährigen Kindern. Harald Effenberg, 56, Schauspieler und Bewohner des Reihenhauses gleich nebenan. Und Lisa Fey, 22, Studentin, die noch bei ihren Eltern lebt. Die Kleinmachnower sind Ferchichis Einladung mit einer Mischung aus Ressentiments und Neugier gefolgt – auch weil der Neue bereits für Konfliktstoff sorgte (unerlaubtes Fällen alter Kiefern, Abriss denkmalgeschützter Gebäudeteile, sechs Jahre Baulärm).