Immer wieder diskutieren Ökonomen derzeit darüber, welche Folgen die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt haben könnte. So auch in den vergangenen Wochen in der ZEIT. Die Digitalisierung führe zu massiver Arbeitslosigkeit, schrieb da der Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey. Laut einer Studie, die er mit Kollegen durchgeführt habe, seien 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA gefährdet.

So schlimm werde es nicht, entgegnete Hartmut Hirsch Kreinsen, Wirtschaftsprofessor an der TU Dortmund. Der Einsatz von Robotern und Algorithmen führe nicht automatisch zum Verlust von Arbeitsplätzen. Durch die Digitalisierung entstünden auch neue Jobs.

Recht haben beide. Die Warnung vor dem Arbeitsplatzverlust ist ebenso berechtigt wie der Optimismus, was die Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten angeht. Nur: Die neuen Stellen werden nicht dort entstehen, wo man es typischerweise erwartet.

Zwar schafft die Digitalisierung auch zusätzliche Jobs für Informatiker, Datenspezialisten oder Programmierer. Doch diese Stellen haben nur einen geringen Effekt auf die Beschäftigungszahlen. Weit mehr Arbeitsplätze entstehen in anderen Bereichen.

Deutlich wird das am Beispiel von selbstfahrenden Autos, Bussen und Schienenfahrzeugen Ihr Einsatz kann dazu führen, dass Chauffeure oder Taxifahrer in Zukunft kaum mehr benötigt werden. Eine Studie für Großbritannien geht davon aus, dass bis zu zehn Prozent aller mit der Digitalisierung verbundenen Jobverluste Fahrer im Transportsektor betreffen werden. Doch gleichzeitig wird die Entwicklung selbstfahrender Autos die Verkehrssysteme und Fahrgewohnheiten grundlegend verändern. Und für die Beschäftigung ist das hervorragend.

War bisher jeder einzelne Fahrer autonom unterwegs, so ändert sich dies mit selbstfahrenden Autos. Das hat Folgen für die Technik ebenso wie für die Stadtplanung. Soll der Verkehr durch einen im Fahrzeug selbst vorhandenen eigenen Algorithmus gesteuert werden? Oder durch übergeordnete Algorithmen kommunaler Verkehrssysteme? Welche Regeln werden im jeweiligen Fall im Straßenverkehr benötigt? Zur Lösung solcher Fragen müssen neue Abteilungen in Verkehrsämtern und Forschungsinstituten geschaffen werden.

Doch es entstehen nicht nur Jobs, die unmittelbar mit dem Verkehr zu tun haben. Sondern auch für Juristen.

Neues Berufsfeld: Maschinenethiker

Bisher wurde stets der Fahrer eines Fahrzeugs für einen Unfall oder einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung verantwortlich gemacht. Bei autonomen Autos und Lastern wird das anders sein. Mit ihnen sind die Menschen nur noch passive Verkehrsteilnehmer, alle relevanten Entscheidungen werden vom Wagen selbst getroffen. Sind also die Autokonzerne haftbar? Der Hersteller der Software, mit der es gesteuert wird? Oder – bei einem selbstlernenden Algorithmus – doch der Besitzer des Autos, weil er das Auto durch sein Fahrverhalten "trainiert" hat? Die Lösung solcher Fragen wird eine Menge Juristen beschäftigen.

Und dann entstehen auch ganz neue Berufe. Maschinenethiker müssen darüber befinden, welchen Regeln selbstfahrende Autos folgen sollen. Zum Beispiel, wenn etwas Unerwartetes im Straßenverkehr passiert. Wen soll das Auto schützen: Das Kind, das plötzlich auf die Straße läuft? Oder den Fahrer, der beim Ausweichen sterben könnte? Zur Ausarbeitung solcher Regeln hat die Bundesregierung bereits eine Ethikkommission eingesetzt. In Zukunft wird man aber immer mehr Experten brauchen.

Der Verlust an Arbeitsplätzen dürfte also tatsächlich durch neue Jobs kompensiert werden. Die Digitalisierung im Transportbereich führt so gesamtwirtschaftlich wohl zu keinem Beschäftigungsrückgang. Die neu geschaffenen Jobs werden allerdings nicht unbedingt mit neuen Produkten oder innovativen Dienstleistungen einhergehen. Neue Tätigkeiten werden eher im Bereich Reglementierung, Controlling, Überwachung und Evaluation anfallen. Statt Chauffeuren braucht man dann Bürokraten.