Als Dragan "Palma" Marković dem FPÖ-Politiker Johann Gudenus im vergangenen Oktober ein paar Tanzbewegungen beibrachte, war das mehr als nur eine Erheiterung bei einem gemeinsamen Fest. Marković gilt in ganz Serbien als Symbolfigur der wilden neunziger Jahre. Der glatzköpfige Abgeordnete der rechten Partei Vereinigtes Serbien, ein früherer Amateurboxer und in der Ära Milošević Besitzer eines berüchtigten Musikfernsehsenders, hatte eine Feier organisiert und dafür den Turbo-Folk-Star Ceca gebucht. Sie ist die Witwe von Marković’ politischem Weggefährten Željko "Arkan" Ražnatović, einem serbischen Warlord.

Der eigentlich wichtige Termin fand aber vor dem Fest statt. Da besuchte Palma den damaligen Vizebürgermeister Gudenus im Wiener Rathaus, erinnerte an die serbische Unterstützung für die Freiheitlichen und sagte: "Wir erwarten uns, dass die FPÖ-Minister in der neuen Regierung weiterhin Serbien unterstützen."

Vier Monate später ging der Wunsch in Erfüllung: Bevor Vizekanzler Heinz-Christian Strache Anfang Februar nach Belgrad reiste, ließ er die serbische Tageszeitung Politika wissen: "Kosovo ist zweifellos ein Teil Serbiens." Das Problem: Österreich hatte die Unabhängigkeit des Kosovos 2008 offiziell anerkannt. Als Kritik laut wurde, meinte Österreichs Vizekanzler, er habe sich auf serbisches Recht bezogen.

Seit dem Frühjahr 2007, zwei Jahre nachdem Heinz-Christian Strache die Freiheitlichen übernommen hatte, unterstützt die FPÖ nicht nur serbische Nationalisten, sondern zeigt auch Sympathien für Wladimir Putin. 2016 schloss die Partei gar eine Kooperationsvereinbarung mit der Kreml-Partei Einiges Russland. Das Serbien-Engagement ist wegen der Diaspora in Österreich nachvollziehbar. Die Annäherung an Russland machte zunächst keinen Sinn. Die FPÖ bestritt stets, Gelder aus Moskau zu bekommen.

Ohne Zweifel fand die Partei das zunehmend autoritäre Regime in Russland mit seinen rechtskonservativen Zügen attraktiv. Seit der Regierungsbeteiligung der FPÖ haben die Allianzen im Süden und Osten aber Sprengkraft für die Koalition mit der ÖVP, die den EU-Konsens in zentralen außenpolitischen Fragen nicht verlassen möchte. Und weil sämtliche Nachrichtendienste FPÖ-Ministern unterstehen, befürchten westliche Geheimdienstkreise, dass Informationen von Wien nach Moskau sickern könnten. In jedem Fall sind die außenpolitischen Geisterfahrten seines freiheitlichen Koalitionspartners eine nicht zu unterschätzende potenzielle Gefahr für Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Die Begeisterung der von Burschenschaftern dominierten FPÖ zu Serbien kam unerwartet: Deutschnationale in Österreich hatten seit dem 19. Jahrhundert eine tiefe Abneigung gegen Serbien kultiviert, und Jörg Haider rief 1998 zu einem Militärschlag gegen das Belgrader Regime wegen dessen Vorgehen im Kosovo auf.

Haiders Nachfolger Strache änderte die Linie. Im Februar 2007, bei einem Empfang in der serbischen Botschaft in Wien, kritisierte er öffentlich Bestrebungen, das Kosovo von Serbien abzuspalten. Drei Monate später bezeichnete er die Provinz als "urserbisches Gebiet" und begann, den von Slobodan Milošević geprägten Satz, "Kosovo je srce Srbije" ("Kosovo ist das Herz Serbiens") in gebrochenem Serbisch zum Besten zu geben.

Die Zuneigung der FPÖ zu Wladimir Putin begann fast zur selben Zeit. Bevor der russische Präsident 2007 zu einem Staatsbesuch nach Wien kam, erinnerte Strache an Menschenrechtsverletzungen der USA und erklärte, Putin sei herzlich willkommen. Deutliche Worte fand Strache auch zum Georgienkrieg ein Jahr später: Während Russland für seinen Militäreinsatz international kritisiert wurde, zeigte der FPÖ-Chef Verständnis dafür.

Im Hintergrund spielte der georgische Geschäftsmann und prorussische Politiker Levan Pirveli eine wichtige Rolle. In seiner Heimat war er bekannt, weil er 2001 laut dem georgischen Human Rights Information Center in einem Restaurant auf einen politischen Gegner einschlug und auf ihn schoss. Später soll er des Mordes an einem 21-jährigen Studenten beschuldigt gewesen worden sein. Vor einer möglichen Strafverfolgung flüchtete er nach Österreich und bekam politisches Asyl.

Pirveli war in Wien nicht unbekannt: Für ein Energieprojekt von Pirvelis Anglo Oil International Ltd und einer staatlichen georgischen Ölgesellschaft hatte die Raiffeisen Zentralbank 1998 einen Kredit vergeben. Das Projekt scheiterte. Nach der Wahl des prowestlichen Michail Saakaschwili zum georgischen Präsidenten verweigerte seine Regierung eine Entschädigung für Raiffeisen – trotz Staatsgarantien. Erst nach einem weiteren Machtwechsel lenkte Tbilissi ein: Zwischen 2015 und 2017 wurden 25 Millionen Dollar nach Wien überwiesen.