Der Wahlkampf in Italien geht in die heiße Phase: Silvio Berlusconi verspricht alten Menschen steuerfreies Hundefutter und kostenlose Besuche beim Tierarzt. Er begründet das mit Studien, nach denen alte Menschen mit Hunden glücklicher seien. Rentner sollen außerdem mindestens 1.000 Euro im Monat bekommen und ein kostenloses Gebiss, falls Berlusconis Partei Forza Italia die Wahlen gewinnt.

Ein anderer Favorit bei dieser Wahl, der zweifache Studienabbrecher Luigi di Maio von der Fünf-Sterne-Partei, wirbt derweil mit der Abschaffung von unliebsamen Gesetzen. Insgesamt 400 will er kippen, und per Online-Abstimmung sollen die Italiener sich aussuchen, welche. Ein Dritter im Bunde, Matteo Renzi von der Mitte-links-Partei Partito Democratico, verspricht viel Kindergeld und Steuererleichterungen für Unternehmer, die so großzügig ausfallen sollen, dass sie im Moment ganz offensichtlich nicht finanzierbar sind.

Am 4. März wird in Italien ein neues Parlament gewählt, und alles wirkt wie ein seltsamer Zirkus. Die Parteien überbieten sich mit unhaltbaren Versprechen. Wie sie bezahlt werden sollen, erwähnen sie entweder gar nicht, oder sie schlagen zum Beispiel vor, Italien solle wieder mehr Schulden machen. Das verbietet allerdings der EU-Fiskalpakt. Der Bevölkerung macht all das nicht viel aus, sie hat sich an märchenhafte Versprechen von Wahlkämpfern gewöhnt. In Italien nehmen sich die Politiker und die Bürger gegenseitig nicht mehr ganz ernst.

Der Erfinder dieser italienischen Wahlkämpfe mit beschränktem Realitätsbezug ist Silvio Berlusconi. Er präsentierte sich Anfang der neunziger Jahre als neue Hoffnung, als das traditionelle Parteiensystem zusammenbrach: Damals kam heraus, dass die Führungseliten der wichtigsten Parteien in einen gewaltigen Korruptionsskandal verwickelt waren. Der erfolgreiche Medienunternehmer versprach einen Neuanfang. Von Beginn an bestritt Berlusconi seine Wahlkämpfe mit ökonomischen Versprechen – die aber nicht richtig seriös waren. Er löste sie nur teilweise ein, aber selbst dieser Teil wurde für den Staat so teuer, dass sich riesige Schuldenberge anhäuften.

Die Italiener aber gewannen ihre Geschenke lieb. Immer wenn spätere Regierungen versuchten, den Staatshaushalt zu sanieren, wurden sie sehr bald wieder abgewählt.

So folgten binnen 25 Jahren 16 Regierungen aufeinander, die jeweils damit beschäftigt waren, irgendwelche teuren Wahlgeschenke ihrer Vorgänger wieder wegzunehmen oder vermeintlich missglückte Reformen wieder rückgängig zu machen. Die Schulden stiegen weiter, und in den letzten zehn Jahren steckte das Land zudem in einer wirtschaftlichen Depression mit hoher Arbeitslosigkeit.

Eurostat © ZEIT-Grafik

Diesmal, bei der Wahl 2018, versuchen sämtliche Parteien, die Wähler mit Geldversprechen in Berlusconis Stil zu locken. Einige treiben es so wild, dass Berlusconis eigene Vorschläge inzwischen beinahe seriös wirken, Gebisse und Tierfutter hin oder her. Berlusconis vorgesehener Koalitionspartner Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Gruppierung Lega Nord verspricht zum Beispiel, dass jeder Italiener in Zukunft nur noch 15 Prozent Einkommensteuer zahlen soll, unabhängig von der Höhe seiner Verdienste. Außerdem sollen nach Salvinis Vorstellungen die Renten steigen und das Pensionsalter sinken.