Nur wenige Dinge muss man haben. Weitaus mehr Dinge soll man bloß haben müssen, weil jemand sie einem verkaufen will. Hochleistungsmixer sind dafür ein gutes Beispiel. Ihr durchzugsstarker Motor, der auch ein Kleinflugzeug in die Luft bringen könnte, häckselt Obst und Gemüse angeblich so klein, dass die wertvollen Inhaltsstoffe optimal vom Körper aufgenommen werden können. Das wurde Konsumenten über Jahre hinweg so intensiv eingetrichtert, dass heute fast jeder Haushalt einen Hochleistungsmixer besitzt.

Und damit beginnt das Problem für Händler und Hersteller. Wie schaffen sie es nun, den Konsumenten noch ein zweites Gerät anzudrehen? Die Lösung: Sie erzählen die gleiche Geschichte mit anderen Worten einfach noch einmal. Leserin Conny K. aus Wiesbaden hat mir einen schönen Lidl-Prospekt geschickt, in dem der "Nutribullet Nährstoff-Extraktor" angepriesen wird. Der sieht zwar genauso aus wie ein Mixer und tut auch dasselbe, will aber ausdrücklich keiner sein. "Nicht Mixen! Extrahieren!", heißt es in der Werbung, denn mit seiner "revolutionären Kreuzklinge" zerkleinert der "Nutrition-Extraktor" Obst und Gemüse zu "bekömmlichen NutriBlasts", die "für den Körper ideal aufzunehmen sind".

Eine Pseudoinnovation erster Klasse. Und "NutriBlasts" wird mein persönliches Bullshit-Wort der Woche. Was die Prospekt-Texter wohl über ihre Kunden denken? Wer jedenfalls jetzt seinen vor einem Jahr gekauften Mixer im Keller verstaut (neben dem Brotbackautomaten, der Eismaschine, dem Waffeleisen, dem Sandwichtoaster und der Saftpresse), um ein Gerät zu kaufen, das "NutriBlasts" erzeugt und angeblich "herkömmliche Nahrung in Superfood verwandelt", sollte mal drüber nachdenken, ob Körper und Geist auf diese Weise wirklich die Ressourcen bekommen, die sie brauchen. Und ob selber kauen nicht die bessere – und billigere – Alternative wäre.