Im Januar berichteten englische Ärzte in der Zeitschrift BMJ Case Reports von einem 34-jährigen Patienten, der in ihre Klinik in Leicester kam. Seine Symptome: starke Schmerzen im Hals und eine seltsam veränderte Stimme. Der Mann erinnerte sich, dass er sich beim Niesen die Nase zugehalten und dann ein poppendes Geräusch im Hals vernommen hatte. Die Ärzte stellten fest, dass durch den Druck eine Schleimhautstruktur im Rachen gerissen war. Eine Woche lang musste der Patient im Krankenhaus bleiben und über einen Schlauch ernährt werden, bis der Riss geheilt war.

Nun erscheinen solche Fallberichte in medizinischen Fachzeitschriften gerade deshalb, weil die Fälle äußerst selten sind. Derart drastische Folgen muss man gewöhnlich nicht befürchten, wenn man einem Nieser den Weg versperrt. Aber es hat auch schon Fälle gegeben, in denen sich der Druck im Kopf einen anderen Weg gesucht und das Trommelfell zum Platzen gebracht hat. Oder es werden Krankheitserreger in die Nebenhöhlen getrieben und nisten sich dort dauerhaft ein.

Im Übrigen hat der Niesreflex ja einen Sinn. Der Körper möchte Fremdkörper oder Schleimansammlungen loswerden, und deshalb katapultiert er sie mit Orkangeschwindigkeit hinaus. Wenn der Niesreflex sich entlädt, sollte man ihm deshalb seinen Lauf lassen – was raus muss, muss raus. Am glimpflichsten geht die Sache ab, wenn man ein Taschentuch zur Hand hat: Das ist nicht nur eine bessere Keimfalle als die Armbeuge (ZEIT Nr. 3/16), sondern es wirkt auch als Schalldämpfer.

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