Was hat dieser angeblich heilige Mann schon alles an unchristlichem, unbuddhistischem Gift versprüht: Er nannte die Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen öffentlich eine "Hexe und Hure". Er riet seinen Glaubensgenossinnen, "eher einen Hund als einen Muslim zu heiraten". Er bestritt, dass Myanmars Soldaten Frauen von Andersgläubigen vergewaltigt haben könnten: "Deren Körper sind zu abstoßend." Und er forderte dazu auf, alle Angehörigen der Rohingya-Minderheit aus dem Land zu jagen: "Diese Muslime gehören nicht zu uns, sie sind weniger schützenswert als Moskitos."

Der buddhistische Abt Ashin Wirathu, 49, gilt als mächtigster geistlicher Führer Myanmars – und als Anstifter der Massenmorde an den Rohingya. Immer wieder hat er zur Gewalt aufgerufen, ihm werden beste Beziehungen zu einigen mächtigen Militärs nachgesagt, die ebenso wie er die Vertreibung der ihnen verhassten Minderheit fordern.

Wer ist dieser Mönch, den das amerikanische Time Magazine als "das Gesicht des buddhistischen Terrors" porträtierte? Welche Rolle spielt er bei den Massakern an den Rohingya? Und wie denkt er, der Mann des Glaubens, selbst über seine Verantwortung für die Gräueltaten? Mehr als 650.000 Rohingya flohen seit dem vergangenen Sommer vor mordenden und brandschatzenden Soldaten ins Nachbarland Bangladesch, mindestens 10.000 sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen ums Leben gekommen. Immer wieder haben sich auch buddhistische Mönche an den Pogromen beteiligt.

Mandalay, etwa in der geografischen Mitte des Landes gelegen, war ehemals Sitz der einheimischen Könige, später wurde es von britischen Kolonialdichtern sehnsuchtsvoll besungen. Heute ist es eine quirlige Millionenmetropole, in der chinesische Geschäftsleute den Ton angeben. Aber Mandalay bleibt das buddhistische Herz des Landes. Hier sind Reliquien des Religionsstifters Siddhartha Gautama aufbewahrt, hier hat eine Sammlung alter Schriften als "größtes Buch der Welt" seine spirituelle Heimat gefunden. Vom Mandalay Hill fällt der Blick auf Dutzende weiß getünchter Pagoden, die mit ihren goldverzierten Spitzen zwischen glitzernden Reisfeldern schimmern.

Das Masoeyin-Kloster liegt nahe einer Biegung des Irrawaddy-Flusses und des Juwelenmarkts, fernab von den Touristenrouten. Es gehört nicht zu den berühmtesten der Stadt, aber es ist sicher das berüchtigste – hier regiert Abt Wirathu in einem weit verzweigten Areal über 3.000 Mönche. Früher hat er häufig mit Journalisten gesprochen, doch seit fast einem Jahr schweigt Hochwürden. Der Abt hat sich in sein Kloster zurückgezogen. Kein öffentliches Wort zum Schicksal der Rohingya, keine Antwort auf die Frage nach seiner eigenen Verantwortung.

Schon am Eingang des Klosters fallen große Plakate auf, die Wirathu in einer merkwürdigen Pose zeigen: Starr blickt er in die Kamera, zwei Heftpflaster verkleben seinen Mund. Ein Sprecher klärt mich auf. Wirathu wolle so gegen eine "auf Empfehlung konkurrierender Mönche" erlassene Regierungsverordnung protestieren, seit Frühjahr 2017 dürfe er über einen Zeitraum von zwölf Monaten nicht mehr öffentlich predigen.

Quelle: ISCG © ZEIT-Grafik

Und hält sich Wirathu daran?

Der Sprecher des Abts lacht. "Wie man es nimmt. Er hat erst kürzlich eine große Veranstaltung mit verbundenem Mund abgehalten, über Band ertönten dazu seine früheren Reden, und zwar die schärfsten." Ausländische Reporter aber wolle Wirathu nicht empfangen, um die Autoritäten nicht zu provozieren. Nach langen Verhandlungen über den Sekretär – und erst, als sich der Abt davon überzeugt hat, dass sein Besucher tatsächlich Bücher über den Buddhismus geschrieben und eine Empfehlung mitgebracht hat – lässt sich Ashin Wirathu zu einer Ausnahme überreden.