© Rowohlt

1 (-) Helmut Lethen: Die Staatsräte
Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt; Rowohlt Berlin; 352 S., 24,– €

Der Dirigent Wilhelm Furtwängler, der Jurist Carl Schmitt, der Schauspieler Gustaf Gründgens und der Chirurg Ferdinand Sauerbruch: Sie alle waren Kollaborateure im NS-Staat, in Nähe und Distanz. Helmut Lethen zeichnet ein faszinierendes Gruppenporträt mit fiktiven literarischen Gesprächen zwischen diesen vier. Er erzählt von Verführbarkeit und Unterdrückung, Opportunismus und Auflehnung. 78 Punkte


© Suhrkamp Insel

2 (-) Thomas Macho: Das Leben nehmen
Suizid in der Moderne; Suhrkamp; 532 S., 28,– €

Im 20. Jahrhundert entsteht eine neue Sterbekultur: Der eigene Tod gilt immer häufiger als "Projekt", das vom Individuum selbst gestaltet wird. Wer sich das Leben nimmt, will es nicht mehr nur auslöschen, sondern ihm auch eine neue Bedeutung geben. Der Kulturwissenschaftler Thomas Macho zeichnet diesen Umbruch detailliert nach – der Suizid als Quintessenz der Moderne. 71 Punkte

© Hanser Berlin

3 (-) Nina Verheyen: Die Erfindung der Leistung
Hanser; 256 S., 23,– €

Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von "Leistung" sprechen? Wie wurde Leistung zu einer individuellen Größe, und wie haben sich soziale Beziehungen dadurch verändert? Warum definieren sich Menschen über ihre Leistung – oder über das, was sie und andere dafür halten? Nina Verheyen beschreibt, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat. 68 Punkte


© S. Fischer

4 (7) Philippe Sands: Rückkehr nach Lemberg
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke; S. Fischer; 592 S., 26,– €

Der britische Jurist Philippe Sands erzählt, wie er während einer Reise nach Lemberg auf die Geschichte zweier Männer traf, die nach dem Zweiten Weltkrieg die zentralen Begriffe für die Strafverfolgung von NS-Verbrechen geprägt haben. Der Autor hat seine Spurensuche zu einer sprachmächtigen Erzählung verwandelt, die sich mit den Grundlagen von Schuld und Sühne auseinandersetzt. 60 Punkte


© dtv

5 (2) Hannah Arendt: Die Freiheit
frei zu sein. dtv; 64 S., 8,– €

Hannah Arendts neu entdeckter Essay von 1967 hat es in sich: Die amerikanische Revolution 1776 war ein erfolgreiches Freiheitsprojekt, weil es keine soziale Not gab und das Schicksal der Sklaven ausgeblendet wurde. Im Frankreich nach 1789 hingegen bewirkte die Armut der Pariser Umsturz und Terror. Die Philosophin feiert politisches Handeln als Freiheitserfahrung – und die Republik aus antikem Geist. 45 Punkte


© S. Fischer Geschichte

6 (-) Svenja Goltermann: Opfer
Die Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne; S. Fischer; 336 S., 23,– €

Ein Essay über ein großes Menschheitsthema: Opfer von Krieg und Gewalt sind in den Medien allgegenwärtig, als Bilder von verstümmelten Soldaten, von verängstigten Kindern oder leidenden Zivilisten. Doch wer gilt eigentlich wann und warum als Opfer? Die Historikerin Svenja Goltermann erzählt, wie das Bild des Opfers, das wir heute kennen, sich erst seit dem 18. Jahrhundert herausgebildet hat. 43 Punkte


© Rowohlt

7 (-) Martin Mosebach: Die 21
Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer; Rowohlt; 272 S., 20,– €

Im Frühjahr 2017 reist Martin Mosebach nach Ägypten. Er besucht im Dorf El-Or die Familien der 21 koptischen Männer, die zwei Jahre zuvor von IS-Terroristen an einem Strand in Libyen ermordet wurden. Das Buch zur Reise reflektiert Mosebachs Begegnungen mit einer fremden Gesellschaft und einer Kirche, die sich den Glauben und die Liturgie der frühen Christenheit bewahrt hat. 37 Punkte


© Mare

8 (-) Jonathan Balcombe: Was Fische wissen
Wie sie lieben, spielen, planen; a. d. Engl. v. T. Rothenbücher; mare; 352 S., 28,– €

Der Fisch: ein unterschätztes Wesen. Angler, Köche und Aquarienbesitzer interessieren sich für ihn, aber unser Herz rührt er kaum. Dabei sind Fische uns Menschen nicht unähnlich – sie sind strategisch und sozial, pflegen Balzrituale und lange Beziehungen. Der Verhaltensbiologe Jonathan Balcombe bricht eine Lanze für die Fische. Und überrascht mit Erkenntnissen, die weit über den Aquarienrand hinausgehen. 36 Punkte


© Hanser

9 (-) Heinz Bude: Adorno für Ruinenkinder
Eine Geschichte von 1968; Hanser; 128 S., 17,– €

50 Jahre nach dem Revolutionsjahr von 1968 zieht Heinz Bude Bilanz. Der Soziologe hat mit Männern und Frauen gesprochen, die damals auf die Straße gingen. Gemein war ihnen der Gedanke des Aufbruchs in eine Welt des befreiten Lebens. Adorno gab ihnen mit auf den Weg, dass es umso schwerer fällt, sich in der Gesellschaft nützlich zu machen, je mehr man von dieser Gesellschaft versteht. 31 Punkte


© Klett-Cotta

10 (-) Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer
Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919–1929; Klett-Cotta; 400 S., 25,– €

Die Jahre zwischen 1919 und 1929 markieren eine Epoche unvergleichlicher geistiger Kreativität, in der Gedanken zum ersten Mal gedacht wurden, die bis heute in die Gegenwart hineinreichen. Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Ernst Cassirer und Martin Heidegger prägten diese Epoche. Der Autor Wolfram Eilenberger lässt sie wiederauferstehen. 30 Punkte

Anm. d. Red.: Im Originaltext wurde bei Platz 4 eine falsche Punktzahl angegeben. Wir haben das hier korrigiert.