In der Hypo-Kunsthalle im Zentrum Münchens laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. An diesem Freitag eröffnet die Ausstellung zu Goethes Faust-Motiv in der Kunst. "Wir zeigen Arbeiten von Kiefer, Delacroix, Polke sowie etlichen anderen bedeutenden Künstlern. Dazu ein so großes Thema, auf das sie sich beziehen, das wird ein breites Publikum begeistern", sagt Direktor Roger Diederen. Aber er spricht auch von einer Sache, die Museumsleute sonst gerne verschweigen, weil in der Kunstwelt kaum einer öffentlich eingesteht, dass auch einmal etwas nicht perfekt funktioniert. "Wir haben nicht alle Werke, die wir zeigen wollten", berichtet Diederen.

Gut gepasst hätte zum Beispiel die Videoskulptur My Faust von Nam June Paik. "Der Transport aus den USA und die Versicherung hätten 70.000 Dollar gekostet. Das war einfach zu viel", sagt Diederen. So steht die Skulptur, eine Art Altar aus Fernsehbildschirmen, auch weiterhin im Smithsonian American Art Museum in Washington, wenn in Bayern bis Ende Juli Du bist Faust zu sehen sein wird. "Das ist sehr, sehr schade. Aber mir war das Risiko zu hoch, dass diese Ausgabe für nur ein Exponat ein Loch ins Budget reißt. Manchmal muss man leider Abstriche machen", sagt Diederen.

Damit ist die Hypo-Kunsthalle nicht allein, mit hohen Versicherungskosten kämpfen derzeit viele: Für Ausstellungshäuser, die Werke leihen, sind die hohen Preise auf dem Kunstmarkt alles andere als ein Grund zur Freude. "Es ist eine ganz einfache mathematische Rechnung: Wenn die Preise auf dem Kunstmarkt wie in den vergangenen Jahren stark steigen, geschieht dasselbe mit den Versicherungsprämien. Weil die Museumsetats aber eher schrumpfen als wachsen, sprengen diese Kosten oft deren Budgets", erklärt Eckart Köhne, Direktor des Landesmuseums Baden-Württemberg und Präsident des Deutschen Museumsbundes.

Den Leihgebern der Kunstwerke geht es nicht anders als Autovermietungen: Privatsammler und Kunstmuseen möchten das Objekt, das sie für eine gewisse Zeit in die Obhut eines anderen geben, zurückbekommen, wie sie es hergegeben haben. Falls doch etwas passiert, wünschen sie, entschädigt zu werden. Die Museen schließen dafür Versicherungen ab, deren Prämie wird in Relation zum geschätzten Wert des Werkes berechnet. Als Hausnummer gelten für Gemälde 0,2 bis 0,3 Prozent des Kaufpreises jährlich. Bei empfindlichen Werken, die aus zusammengesetzten Einzelteilen bestehen, Installationen wie Nam June Paiks Bildschirmtürmen zum Beispiel, treibt das höhere Risiko, dass beim Transport ein Schaden entsteht, die Kosten weiter in die Höhe.

So kommen für eine Ausstellung schnell Versicherungskosten zustande, die in die Hunderttausende Euro gehen. "Versicherungskosten sind immer ein Thema, egal ob es um eine Arbeit im Wert von Millionen oder viel weniger geht", sagt Diederen, Direktor der Hypo-Kunsthalle. Bei besonders kostspieligen Ausstellungen wie Spaniens goldene Zeit, bei der vor einem Jahr in seinem Haus Arbeiten von Großmeistern wie El Greco und Diego Velázquez gezeigt wurden, fallen diese Kosten besonders ins Gewicht: Für insgesamt fast 300 Millionen Euro wurden die Werke damals versichert. Bei einer solchen Ausstellung lassen sich sehr hohe Kosten kaum verringern. Denn das spanische goldene Zeitalter als Thema lässt wenig Spielraum, einzelne Werke durch andere zu ersetzen. Eine Ausstellung zum Thema Faust ist da variabler.

Zusätzlich teuer werden die Versicherungen, weil die Ausstellungshäuser auf der Suche nach Angeboten meist streng gebunden sind. Manchmal legt der Leihgeber fest, wo die Versicherung abgeschlossen werden muss. Auch weil er womöglich von seinem eigenen Anbieter eine Provision erhält. "Das ist zwar nicht die Regel, kommt aber vor", sagt Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes. Häufig macht der Leihgeber auch genaue Vorgaben für den Marktwert, der zu versichern ist. Der auf Kunstversicherungen spezialisierte Makler Stephan Zilkens sieht darin das Problem. "Zum Teil sind die Museen selber schuld, denn sie akzeptieren aus Angst vor Konflikten jeden Versicherungswert, den ein Leihgeber vorgibt", sagt er. Statt das zu tun, sollten die Häuser mit den Besitzern der Bilder verhandeln, rät er. "Selbst wenn gerade das Bild eines bestimmten Malers für eine Rekordsumme versteigert worden ist, bedeutet das nicht, dass ein anderes Werk des Künstlers entsprechend an Wert zugenommen hat." So lasse sich der Kostenanstieg zumindest dämpfen.

Solange die Auktionsrekorde anhalten, bleiben die Versicherungen trotzdem teuer. Das aber muss nicht von Dauer sein. "Die Preise für Möbel als Sammlerstücke sind gefallen und damit auch deren Versicherungskosten", sagt Museumsbund-Chef Köhne. "Vielleicht passiert das mit der Kunst ja auch bald, wenn die Zeiten niedriger Zinsen vorbei sind und Bilder und Skulpturen als Geldanlageobjekte weniger gefragt sind." Dann leiht sich womöglich auch ein deutsches Ausstellungshaus den Videoaltar von Nam June Paik aus.