Auch dieses Jubiläum muss ja irgendwie begangen werden: zehn Jahre Finanzkrise. ZDF und Arte beschenken uns zum runden Geburtstag mit einer weiteren deutschen Wunderserie, Bad Banks heißt sie und erzählt, wie eine fiktive deutsche Großbank die Welt einmal mehr an den Rand des Systemzusammenbruchs führt. Das ist unbedingt sehenswert, allein weil Bad Banks für eine deutsche Produktion so ungewohnt high frequency ist. Sechs Folgen, die reinballern wie das gute Kokain, das sich sonst nur die Banker in Frankfurt leisten können; danach möchte man erst mal ein paar geile Finanzprodukte strukturieren oder wenigstens gegen seinen Abteilungsleiter intrigieren. Wir sehen in Bad Banks nämlich eine krasse, junge, todesehrgeizige Investmentbankerin, die in der Finanzindustrie bis ganz nach oben will, während ihr Arbeitgeber, die "Deutsche Global Invest", sich nur noch mit windigen Milliardengeschäften vor dem Fall nach ganz unten schützen kann (ein Fall, der den sogenannten deutschen Sparer gleich mitreißen würde).

Bloß: Mit der Finanzkrise, der bisher einzigen Katastrophe, die dem 21. Jahrhundert als komplexes Kunstwerk gerecht wurde (Autopoiesis und so), hat Bad Banks gar nichts zu tun. Was die Deutsche Global Invest sich da in ihren Büchern zusammenlügt, ist eine banale Bilanzfälschung, wie sie auch unser Heizungsmonteur hinkriegen würde. Im Vergleich zu den Kaskaden aus virtuellem Kapital, das uns 2008 ganz real um die Ohren flog, wirkt die schummelnde Serienbank wie ein Achtjähriger, der beim Halma verliert und aus Frust einen Spielstein verschluckt.

Bad Banks ist als Lehrstück über die Finanzindustrie nur so gut, wie es vor einem Publikum sein kann, dem schon ein schlichter Dreisatz den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Finanzwirtschaft wird deswegen hier allein zur Sache der Psychologie. Einmal zählt der aufgekratzte Ober-Investmentbanker die Motive auf, aus denen Menschen am Finanzmarkt spekulieren. "Wohlstand, Status, Anerkennung, Sucht" und so weiter, der übliche Gefühlsdusel. "Jeder hat einen eigenen Antrieb." Da unterscheiden sich die Testo-Boys und -Girls mit ihren Milliardenwetten kaum von den netten Leuten aus der Volksbanken-Raiffeisenbanken-Reklame. "Man muss die ganze Kacke auch nicht verstehen", ruft in der Serie ein anderer Banker, und leider gibt es keinen, der zurückbrüllt: Doch, muss man natürlich schon! Denn wenn das nächste Mal irgendeine Immobilien- oder Sonstwasblase platzt, wüsste man schon gern, wie die Derivatgeschäfte funktionieren. Das aber erfahren wir nicht, wenn wir uns ganz doll in den Derivatehändler einfühlen (wurde er zu wenig von seinem Papi geliebt?). Wer über seelische Motive spricht, verschweigt Strukturen. Wir sind immer zwei, drei Psychologisierungen vom nächsten Abgrund entfernt.