Auf einen Film wie Black Panther haben wir gewartet, wenn auch Black Panther nicht der Film ist, auf den wir gewartet haben. Wie das? Das erste Zeichen seiner Doppeldeutigkeit ist die Tatsache, dass die Comic-Verfilmung über das gesamte politische Spektrum hinweg begeistert begrüßt wird: von den Verfechtern der schwarzen Emanzipation, die in ihm die erste große Hollywood-Manifestation schwarzer Macht sehen, über genügsame Linksliberale, die mit seiner vernünftigen Lösung sympathisieren – Bildung und Hilfe statt Kampf –, bis zu einigen Alt-Right-Vertretern, die in der Behauptung einer schwarzen Identität und Lebensweise mühelos eine weitere Version von Trumps "America first" erkannten. Wenn sich alle Seiten im selben Produkt erkennen, können wir sicher sein, dass dieses Produkt Ideologie in Reinform verkörpert.

Die Handlung des Films: Vor Jahrhunderten kämpften afrikanische Stämme um einen Meteoriten, der einen Stoff namens Vibranium enthielt. Einer der Krieger nimmt ein von dem Metall beeinflusstes herzförmiges Kraut zu sich und gewinnt übermenschliche Fähigkeiten. Er wird zum ersten "Black Panther" und gründet die Nation Wakanda. Die Einwohner von Wakanda nutzen das Vibranium, um fortschrittliche Technologien zu entwickeln, und schotten sich von der Welt ab, indem sie sich zum Schein als unterentwickeltes Drittweltland ausgeben. Im Jahr 2018 tritt Prinz T’Challa nach dem Tod seines Vaters die Thronfolge des Königreichs an. Sein Gegner ist sein Cousin Erik Stevens, ein junger, militanter Schwarzer, aufgewachsen in Oakland, er hat sich den Namen Killmonger zugelegt. Er beansprucht den Thron und fordert T’Challa zu einem rituellen Duell, besiegt ihn und will die fortschrittlichen Vibranium-Waffen Wakandas an schwarze Befreiungskämpfer auf der ganzen Welt liefern. T’Challa aber überlebt dank des herzförmigen Vibranium-Krauts, er kämpft als Black Panther erneut mit Killmonger und ersticht ihn. Killmonger verweigert sich der Heilung durch das Kraut und will als freier Mann sterben. Schließlich verkündet T’Challa vor den Vereinten Nationen, dass er Wakandas Fortschritte mit der Welt teilen möchte, aber auf friedliche Weise.

Bereits der Ausgangspunkt des Films scheint problematisch: Wie uns die jüngere Geschichte lehrt, ist es für ein Land eher ein Fluch, mit wertvollen Rohstoffen gesegnet zu sein – man denke nur an den heutigen Kongo, reich an Bodenschätzen, aber gerade deswegen ein dysfunktionaler "Schurkenstaat" mit drogenberauschten Kindersoldaten. Die Szene wechselt sodann nach Oakland, einer ehemaligen Hochburg der echten Black Panthers, jener radikalen schwarzen Befreiungsbewegung der 1960er und 1970er Jahre. Ohne die historischen Black Panthers auch nur einmal direkt zu erwähnen, entführt der Film mit einem simplen Meisterstreich der ideologischen Manipulation deren Namen, sodass die erste Assoziation nun nicht mehr die alte militante Organisation ist, sondern der Marvel-Superheldenkönig eines mächtigen afrikanischen Königreichs.

Genauer gesagt gibt es zwei Black Panthers in dem Film, König T’Challa und seinen Cousin Erik, von denen jeder für eine andere politische Vision steht. Eriks Welt ist Armut, Bandengewalt und militärische Brutalität, während T’Challa in dem abgeschiedenen Reichtum des wakandischen Königshofs aufwuchs; folglich vertritt Erik eine militante globale Solidarität, während T’Challa nach und nach vom traditionellen Isolationismus des "Wakanda first!" zu einem schrittweisen Globalismus findet. Dieser würde innerhalb der bestehenden Weltordnung und ihrer Organisationen handeln, gleichzeitig aber die einzigartige Kultur und Lebensweise von Wakanda bewahren. (Die Tatsache, dass ein CIA-Agent eine Schlüsselrolle bei T’Challas letztlichem Sieg spielt, sagt eigentlich alles.)

Während viele Kritiker die aktive Rolle der Frauen am Hofe Wakandas auf den verschiedensten Gebieten lobten (Verteidigung, Altersweisheit, Wissenschaft und Technologie ...), bleibt eine solche Bekräftigung von Weiblichkeit der männlichen Herrschaft strikt untergeordnet. Auch mit Wakandas Öffnung zur Welt wird nicht mehr passieren, als dass eine Dosis traditioneller Weisheit die Exzesse des ungezügelten Kapitalismus eindämmt. Mit T’Challa am Steuer können die heutigen Herrscher auch weiterhin in Frieden schlafen. Dass mit diesem Bild etwas nicht stimmt, merkt man unter anderem an der seltsamen Rolle des Amerikaners Ross, einer der wenigen weißen Figuren. Er ist in gewissem Sinn das Symptom des Films: ein CIA-Agent, der mit ironischer Distanz an den Geschehnissen teilnimmt, seltsam leidenschaftslos, als wirke er bei einer Show mit. Und der zugleich den Platz für uns, die Mehrheit der weißen Filmzuschauer, frei hält, als wollte er uns sagen: "Es ist absolut in Ordnung, diese Fantasie einer schwarzen Überlegenheit zu genießen, von diesem Alternativuniversum wird keiner von uns wirklich bedroht!"

Chance, sich neu zu definieren

Die Tatsache, dass sich T’Challa der "guten" Globalisierung öffnet, aber zugleich von ihrer repressiven Verkörperung, der CIA, unterstützt wird, beweist, dass zwischen beidem keine echte Spannung besteht: Eine "Rückkehr zu den Wurzeln" passt perfekt zum globalen Kapitalismus, der nur durch ein anderes globales Projekt unterminiert werden kann. Wir sollten uns also nicht blenden lassen von dem schönen Spektakel der Hauptstadt Wakandas als einer alternativen modernen Metropole, in der die Technik den Menschen dient, in der Tradition und Ultramoderne scheinbar nahtlos verschmelzen: Was dieses schöne Spektakel verdeckt, ist die Einsicht, der Malcolm X folgte, als er X zu seinem Nachnamen erkor. Der Sinn dieser Wahl, mit der er signalisierte, dass die Sklavenhändler, die die Afrikaner aus ihrer Heimat verschleppten, sie zugleich brutal ihrer familiären und ethnischen Wurzeln, ihrer ganzen kulturellen Lebenswelt beraubten, bestand nicht darin, für die Rückkehr zu ursprünglichen afrikanischen Wurzeln zu werben. Malcolm X wollte vielmehr gerade die Öffnung nutzen, die ein X bot, eine unbekannte neue (mangelnde) Identität, die genau durch jene Sklaverei hervorgerufen worden war, welche die afrikanischen Wurzeln für immer abgeschnitten hatte. Dieses X, das den Schwarzen ihre spezifische Tradition vorenthielt, sollte ihnen eine einzigartige Chance eröffnen, sich selbst neu zu definieren, frei eine neue Identität auszubilden, die viel allgemeiner wäre als die vorgebliche Allgemeinheit der Weißen. (Bekanntlich fand Malcolm X diese neue Identität in der Allgemeinheit des Islams.)

Diese wertvolle Lektion von Malcolm X vergisst Black Panther: Um wahre Allgemeinheit zu erlangen, muss ein Held die Erfahrung des Verlusts seiner Wurzeln durchmachen. Man kann sich nur wundern, dass ein Kritiker auf den Gedanken verfallen konnte, Frantz Fanon, der Theoretiker der schwarzen Befreiung durch eine gewaltsame Rebellion, wäre "stolz auf den Film" gewesen.

Freilich gibt es einige Zeichen, die diese einfache und offensichtliche Lesart stören, Zeichen, die darauf hindeuten, dass die offenkundige Hierarchie der theoretischen Positionen umgekehrt werden muss. Welche Zeichen erlauben uns zu erkennen, dass Killmonger der eigentliche Held ist? Viele, von denen das erste die Szene seines Todes ist, als der schwer verwundete Erik es vorzieht, frei zu sterben, statt im falschen Überfluss von Wakanda geheilt zu werden und zu überleben – die starke ethische Wirkung von Killmongers letzten Worten zerstört unmittelbar die Vorstellung, dass er schlicht ein Schurke ist. Darauf folgt eine Szene von außerordentlicher Wärme: Der sterbende Killmonger setzt sich an den Rand eines Abgrunds, um die Schönheit des Sonnenuntergangs von Wakanda auf sich wirken zu lassen, und sein Cousin T’Challa, der ihn gerade besiegt hat, setzt sich schweigend neben ihn. Es gibt hier keinen Hass, nur zwei im Grunde gute Männer mit unterschiedlichen politischen Ansichten, die ihren letzten Moment zusammen verbringen, nachdem der Kampf vorbei ist – eine Szene, die undenkbar wäre in einem gewöhnlichen Actionfilm, der in der grimmigen Zerstörung des Feindes gipfelt ... Alleine diese letzten Momente säen schon Zweifel an der offensichtlichen Lesart des Films und regen zu einem viel tieferen Nachdenken an.

Aus dem Englischen von Michael Adrian