Zu schade, dass man Politik nicht malen kann. Oder singen. Denn manchmal ist sie wirklich schön. Etwa bei der CDU. Wochenlang spratzte Unzufriedenheit aus der letzten Volkspartei, man fing an, über Dinge zu reden, die immer nur Unglück bringen, Identität zum Beispiel. Manche verlangten gar nach einer CDU pur, obwohl Purismus und CDU so sind wie AfD und Feminismus: unvereinbar. Doch dann machte die Kanzlerin zwei kleine, fast zierliche Bewegungen: Sie setzte eine Vertraute in die Parteizentrale und einen Unvertrauten ins Kabinett – und schon geriet der Parteitag zu einer harmonischen, ja symphonischen Veranstaltung, endend in perfekt unperfekter 98-Prozentigkeit.

Nichts ist geklärt – keine Richtung, kein Inhalt und schon gar keine Identität –, aber alles ist irgendwie gut. Bei der CDU merkt man, dass Politik ein Wut verarbeitendes Gewerbe sein kann. Und nun, sagt die Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer, gehe es frisch ans Programmatische, von Stund an werde sich die CDU ihrer Grundlagen in einer umstürzenden Welt versichern.

Kann sein, kann nicht sein.

Schließlich zeichnet sich die CDU traditionell eher weniger als Programmpartei aus, weswegen sie auch so herrlich frustresistent ist. Denn wer sich nicht so viel vornimmt, kann auch nicht so leicht scheitern. Wenn die CDU ehrlich wäre, was sie gottlob nicht ist, würde sie einfach sagen: Lieber schlecht regieren als nicht regieren.

Die Hütte brennt, die Hütte brennt, rief eine Delegierte auf dem Parteitag

Allerdings hat die Ära Merkel gezeigt, dass man mit dieser Einstellung heute schlechter durchkommt als früher. Zunächst mal, weil zwischendurch einige heilige Säulen der Partei umgekippt sind. Etwa der Atlantizismus, der Unionisten stets die außenpolitische Richtung wies, der aber spätestens seit Trump in Trümmern liegt. Oder die katholische Kirche, in der konservative Christdemokraten stets Zuflucht fanden; sie ist nun in weiten Teilen eine links-grüne Veranstaltung mit einem flüchtlingsbewegten Drittweltler an der Spitze. Unfehlbarkeit geht anders.

Und dann geschah da noch etwas anderes, was für Konservative sehr schwierig ist. Die CDU ist die Partei der Verlangsamung und des Graduellen, die nun aber mehr und mehr mit einer hochgradig beschleunigten und postgraduellen Wirklichkeit klarkommen muss. Eine Delegierte rief auf dem Parteitag mehrmals: Die Hütte brennt, die Hütte brennt. Sie meinte die Situation in der Pflege, hätte aber auch vieles andere meinen können. Brennende Hütten – damit kann die CDU schon umgehen, nur eben reaktiv, nicht programmatisch, nicht prophylaktisch.

Was die Generalsekretärin nicht gesagt hat – falls es mit dem Programmatischen nicht so gut klappen sollte, so bleibt der Partei in alter Manier immer noch das Personelle, die spannende Frage also: Wer folgt Merkel nach?