Weg mit den Türmen! Die Stadtentwicklungsbehörde will keine Zeit verlieren. Eine "möglichst zügige Durchführung" des Verfahrens für den Abbruch des denkmalgeschützten City-Hofs am Klosterwall sei das Ziel, so formuliert es der Entwurf für eine Senatsdrucksache. Der Bauantrag für den Komplex des Quartiers am Klosterwall ist im Dezember gestellt worden – jetzt soll es losgehen. Für Marco Hosemann, studierter Architekt und Mitinitiator des Vereins City-Hof e. V., passt die Hektik, mit der der Senat den Abriss vorantreiben will, ins Gesamtbild. Von vornherein habe die Senatskanzlei auf Geheiß des Bürgermeisters daran gearbeitet, den Denkmalschutz auszuhebeln, damit einem lukrativen Verkauf des Areals nicht ein geschütztes Gebäude im Wege stehe, sagt Hosemann.

Schon 2012 hat die Senatskanzlei die für den Denkmalschutz zuständige Kulturbehörde dazu gedrängt, den Abriss zu befürworten. In einem Brief beklagte sich Staatsrat Christoph Krupp bei der inzwischen verstorbenen Kultursenatorin Barbara Kisseler, das Denkmalschutzamt habe "die Erhaltung dieser Immobilie" gefordert. In der Senatskanzlei sei man aber der Meinung, dass eine Neubebauung "große Chancen für die City" biete. Krupp forderte die Senatorin dazu auf, "die Haltung Ihres Hauses in dieser Angelegenheit noch einmal zu überdenken".

Erst habe der Senat den Denkmalschutz um die Ecke gebracht, und jetzt wolle man mit einem vorzeitigen Abriss "die Leiche wegschaffen", beschreibt Stararchitekt Volkwin Marg diesen Vorgang aus seiner Sicht. Juristisch hält der 81-Jährige das für fragwürdig: Ohne geltendes Planrecht – ein neuer Bebauungsplan ist noch in Arbeit – dürfe ein solcher Abriss nicht erfolgen. Margs Ärger über die Denkmalvergessenheit Hamburgs ist nicht interesselos: Mit seinem Büro GMP hat Marg 2015 einen Entwurf vorgelegt, der den Erhalt des Areals ermöglichen sollte. Er wurde allerdings von der Finanzbehörde aus formalen Gründen aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen.

Um überhaupt ein Denkmal abreißen zu können, muss es öffentliche Interessen geben, "die gegenüber dem Interesse des Denkmalschutzes überwiegen", so heißt es in dem Entwurf der Senatsdrucksache, die den Abriss des City-Hofs besiegeln soll. Ein solches Interesse, so argumentiert das Papier, sei der Wohnungsbau: Bei einem Erhalt des City-Hofs könnten Wohnungen aus Lärmschutzgründen "nicht genehmigt werden". Eine Argumentation, die Volkwin Marg für "falsch und fadenscheinig" hält, schließlich habe sein Entwurf nachgewiesen, dass sehr wohl lärmgeschützte Wohnungen in den sanierten City-Hof-Türmen entstehen könnten.

Kollegenschelte will Marg nicht betreiben. Muss er auch nicht. Der Siegerentwurf des Architekturbüros KPW hat auch so schon reichlich Ablehnung erfahren. "Angsthasenarchitektur" nannte der Architekturkritiker Gert Kähler in der ZEIT den Entwurf eines dreigeteilten Backsteinkomplexes mit Büros, Wohnungen und einem Hotel. Das Fachblatt Baunetz schrieb, die Hoffnung, dass Hamburg "nach der Elbphilharmonie ein weiteres bild- und ausdrucksstarkes architektonisches Zugpferd" bekomme, sei enttäuscht worden.

Ist der Entwurf wirklich so uninspiriert? Oder wird hier das Neue geschmäht, um das Alte aufzuwerten? Bei genauerem Hinsehen finden sich durchaus viele Details, die den Entwurf von liebloser Investorenarchitektur abheben. Da sind die Backstein-Details in den Fensterlaibungen, da ist der U-Bahn-Eingang in den Backsteinarkaden, die das Erdgeschoss zum Burchardplatz öffnen. "Wir wollen den Platz vor dem Lärm schützen und lebenswert machen, das ist ja im Moment hauptsächlich eine Pkw-Abstellfläche", sagen die Architekten Finn Warncke und Niels Vagt, die für den Entwurf verantwortlich sind.

Zwei Passagen durch die Backsteinscholle soll es geben, die vom verkehrsumtosten Klosterwall an den Burchardplatz führen. Die Architekten sprechen von einer einladenden Geste und davon, dass ihr Entwurf eine Neuinterpretation der Kontorhausviertel-Typologie sei. Die Abrissgegner widersprechen: "Der Entwurf wirkt wie eine abweisende Mauer", sagt City-Hof-Aktivist Hosemann.

Der geplante Abriss spaltet die Hamburger Zivilgesellschaft. Setzt er auch ein Signal für die Zukunft, dass weitere Investoren sich um den Denkmalschutz keine Gedanken machen müssen? "Nein, das ist kein Freibrief", sagt Hamburgs neuer Oberbaudirektor Franz-Josef Höing. "Ich werbe dafür, zu differenzieren, sich jeden Ort präzise anzusehen."

Im April soll die Bürgerschaft den Abriss beschließen. Die letzte Hoffnung der Abrissgegner liegt bei den Grünen. "Wir sind in Gesprächen mit der SPD", sagte Renate Pinzke, Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Wenn die Grünen einknicken, bleibt nur noch die Unesco. Die Kritiker bemängeln, dass der Neubau den Blick auf das Weltkulturerbe Kontorhausviertel verriegele. Sie hoffen auf eine Stellungnahme der Unesco-Gutachter gegen den Abriss des City-Hofs – schließlich wurden die Scheibenhäuser in den Fünfzigern so gebaut, um den Blick vom Klosterwall auf das Chilehaus und den Sprinkenhof offen zu lassen.